Verwaltet die USA nun das Weltall?

Beim durchstöbern meines News-Feeds heute Morgen wurde ich auf den Titel „Wem gehört das Weltall?“ aufmerksam. Beim lesen des Artikels stutzte ich etwas: Die USA erklären sich zum Verwalter der Schürfrechte für fremde Himmelskörper…? Da drängt sich mir die Frage auf, wie jemand selbst sich Rechte an etwas vergeben kann, das einem überhaupt nicht gehört? Doch da steckt tatsächlich etwas mehr dahinter.

 

asteroid

Wird man in Zukunft die USA fragen müssen, bevor man die Ressourcen unseres Sonnensystems nutzt? Bild: n24

Bereits 1963 beschlossen die Vereinten Nationen den sogenannten „Weltraumvertrag“, der die Rechtsgrundsätze bezüglich Tätigkeiten im Weltraum regeln sollte. Der offizielle Langtitel des Vertrages lautete: „Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums“ und wurde 1967 unter dem Titel: „Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörperauch noch um den Mond und weitere Himmelskörper erweitert. Nur damals glaubte noch niemand so richtig daran, dass aus Themen wie „Asteroidenbergbau“ oder „Marskolonisierung“ in absehbarer Zeit etwas werden würde. Doch nachdem die Technik sich in derart rasantem Tempo weiterentwickelt hat, sind derartige Vorhaben bei Weitem keine Utopien mehr – aus der Science Fiction von gestern ist die Gegenwart von heute geworden.

Der Weltraumvertrag für sich ist eigentlich genau das Gegenteil der „außerirdischen Schürfrechte-Aneignung“. In ihm wurde befunden, dass es die Selbstverpflichtung der Weltraumforschung sei, „zum Vorteil und im Interesse aller Länder ohne Ansehen ihres wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungsstandes“ zu sein. Es sollte verhindert werden, dass eine Nation beispielsweise den Mars betritt, ihn als sein Hoheitsgebiet bezeichnet und anderen den Zugang verwehrt. Das Weltall müsse für alle da sein. Zudem wurde noch ein äußerst wichtiger Punkt festgehalten: Ein Verbot der nuklearen Aufrüstung des Raumes. Vielleicht der wichtigste Punkt in diesem Vertrag.

 

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So könnte ein Tagebau auf dem Mond aussehen. Bild: Künstlerische Darstellung der NASA

Nachdem sich nun schon seit einiger Zeit ein neues Weltraum-Wettrüsten konkretisiert, bei dem nicht länger nur verschiedene Staaten, sondern auch vermehrt Privatunternehmen mitmischen, scheint die Frage trotz Allem nach den Rechten an den Ressourcen laut zu werden: Wem gehören beispielsweise die Bodenschätze des Mars, wenn eine Kolonie mit Astronauten verschiedener Nationalität dort Bergbau betreibt? Ein derartiger Fall ist bislang rechtlich nicht geregelt und es scheint eine Grundeigenschaft des modernen Menschen zu sein, selbst in einer Umgebung wie dem Mars oder irgendwelchen Asteroiden unsere Bürokratie einzuführen – selbst wenn wir noch nicht einmal dort waren!

Die Rede ist nun konkret von einem Gesetzesentwurf des US-Kongresses mit dem Titel: „Spurring Private Aerospace Competitiveness and Entrepreneurship“ -> hier der Link zum Gesetzestext. Die NASA beschreibt dies leicht verniedlicht als „Straßenverkehrsordnung für das All“. In Wirklichkeit bedeutet das folgendes: Möchte jemand beispielsweise auf den Mond fliegen, dort Gestein abbauen und es wieder zurück auf die Erde bringen, benötigt er als erstes eine Genehmigung des US-Verkehrsministeriums, das als Aufsichtsbehörde für privatrechtliche Weltraumflüge fungiert. Anschließend muss das US-Verteidigungsministerium unterrichtet werden, da es die Aufsicht über Aspekte der nationalen Sicherheit der USA innehat, außerdem wird die NASA mit ins Boot geholt, die die außerirdische Minenverwaltung betreibt. Sprich, diese drei Institutionen entscheiden, wer was und wo im Weltraum tun darf. Ich frage mich: „mit welchem Recht?“

 

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Trifft das Thema ziemlich gut. Astronaut „Dale A. Gardner“ bei einem Protest gegen die Privatisierung der Raumfahrt. Bild: wikipedia

Zwar heißt es im Gesetzestext: „Any asteroid resources obtained in outer space are the property of the entity that obtained them, which shall be entitled to all property rights to them, consistent with applicable federal law and existing international obligations.“ Übersetzt bedeutet das: „Jedwede aus Asteroiden gewonnene Ressourcen sind Eigentum desjenigen, der diese findet sowie die Besitzrechte daran, im Einklang mit US-Bundesrecht und existenten internationalen Verpflichtungen. Doch wieso belegt sich die USA selbst mit dem Recht, diese „Freiheiten“ zu regeln und zu verwalten? Wieso wurde der Weltraumvertrag nicht an einem runden Tisch der Vereinten Nationen um die strittigen Punkte erweitert?

Es bleibt abzuwarten, wie sich die UNO, die ESA und auch die russischen und chinesischen Weltraumbehörden dazu äußern werden. Bislang konnte ich keine Stellungnahmen im Netz finden, doch ich bin mir sicher, dies könnte noch für Zündstoff sorgen.

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6 Antworten zu Verwaltet die USA nun das Weltall?

  1. Das Smamap schreibt:

    Der letzte Satz würde belegen, so es denn so käme, dass die Geschichte uns lehrt, dass uns die Geschichte nichts lehrt.
    Ich würde es bzgl. des Weltalls mit den Indianern Nordamerikas halten wollen, nämlich so, dass das Weltall niemandem gehört und wir vielmehr Teil des Weltalls sind.

    Gefällt 4 Personen

  2. Simmis Mama schreibt:

    Krass einfach krass aber vollkommen logisch. Cool, dass du das gefunden hast.

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  3. teggytiggs schreibt:

    …was für eine Selbstherrlichkeit steckt dahinter, sie USA sollten erst einmal ihre Probleme im eigenen Land regeln und dafür sorgen, dass es allen in der eigenen Bevölkerung gut geht…

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  4. Das Smamap schreibt:

    Eben kommt mir ein Gedanke: Es wär doch ganz gut, wenn alle Großmächte bzw. diejenigen, die sich dafür halten, ihre Auseinandersetzungen ins Weltall verlegen. Dann wär hier auf der Erde ruhe.

    Gefällt 2 Personen

  5. kinder unlimited schreibt:

    es musste ja geregelt werden, weil zumindest in den USA nicht nur NASA auf dem Weg ins Weltall ist! Inzwischen wird „privat“ dort auch geforscht und geplant. Es gibt immer mehr Sponsoren!

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  6. wordBUZZz schreibt:

    Einerseits klingt es vernünftig, andererseits finde ich das der Weltraum einfach niemandem gehört und dass niemand das Recht besitzt diese Planeten auszubeuten. Ebenso gefällt es mir gar nicht, dass die USA nun noch mehr Macht besitzt, als ohnehin schon

    Gefällt 1 Person

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