Was gibts auf dem Mond zu holen?

Schon lange wird darüber diskutiert, bemannte Kolonien auf dem Mond zu errichten, Science Fiction-Autoren erzählen von Mond-Bergbau und Konzerne wittern auf unserem Erdtrabanten das große Geschäft.  Doch was gibt es auf dem Mond zu holen? Lohnt sich Mond-Tagebau wirklich? Widmen wir uns dieser Frage und klären auch gleich, was man mit der Rohstoffsuche auf dem Mond bezwecken könnte.

 

Mond

Unser altbekannter Begleiter. Quelle: wikipedia

 

Der Mond ist von einer mehreren Meter dicken Schicht aus Regolith bedeckt. Die Bezeichnung Regolith setzt sich aus dem altgriechischen „regma„, was soviel wie Bruch bedeutet, und „lithos„, was Stein bedeutet, zusammen. Für jene, die es genau wissen wollen, habe ich hier die Bestandteile aufgeführt.

-Siliziumoxid 45,25%
-Aluminiumoxid 19,45%
-Kalk 13,85%
-Eisenoxid 10%
-Magnesiumoxid 8,35%
-Titanoxid 2,25%
-Natriumoxid 0,6%

Das alles sind Stoffe, die auch auf der Erde vorkommen. Ein Abbau auf dem Mond und ein Transport zur Erde würde also nichts bringen.

Eine weitere Möglichkeit ist das Wasser auf dem Mond. Wasser auf dem Mond? Ja, die NASA hat im Rahmen der LCROSS-Mission von 2008 bekanntgegeben, dass es auf dem Mond bedeutende Mengen an Wassereis gibt. Bei dieser Mission ließen Forscher gezielt eine Sonde in den Cabeus-Krater in der Nähe des Mond-Südpols stürzen und analysierten den aufgewirbelten Staub – mit Erfolg. Es wird vermutet, dass in den Kratern, die tief genug sind das kein Sonnenlicht auf den Grund gelangt, Wassereis-Ablagerungen von nicht geringer Menge vorhanden sind. Das Vorhandensein von Wasser wäre für eine Mondkolonie durchaus von Vorteil, wenn nicht sogar essentiell.

Die nächste Möglichkeit wurde bereits vom deutschen Schriftsteller Frank Schätzing in seinem Roman Limit aufgegriffen. Auf dem Mond sollen rund eine Million Tonnen Helium-3 lagern. Helium-3-Kerne enthalten 2 Protonen, aber nur 1 Neutron, wodurch 2 Fusionsmöglichkeiten gegeben sind: Die Verschmelzung mit Deuterium, oder die Verschmelzung der Helium-3-Kerne untereinander. Somit kann Helium-3 zur Energieerzeugung genutzt werden, ohne den Umweg über verdampftes Wasser. Radioaktivität entsteht fast gar nicht, ebenso wenig gäbe es Strahlenschäden im Reaktor. Helium-3 wäre somit ein sehr sauberer Brennstoff. Viele Fusionsforscher sehen in dem Isotop deshalb die Energiequelle der Zukunft. 40 Tonnen würden ausreichen, um den Energiebedarf der USA ein Jahr lang zu decken. Dass der Stoff tatsächlich im Mondboden ruht, ließ sich anhand von Proben nachweisen, die Apollo-Astronauten 1969 mit zur Erde gebracht hatten.

 

Helium-3
Aufbau eines Helium-3 Kerns. Quelle: superfluidsiiti

 

Auf der Erde kann sich Helium-3 nicht abgelagert haben, da es vom Sonnenwind transportiert wird und unsere Atmosphäre diesen nicht durchlässt. Nachdem der Mond keine Atmosphäre hat, konnte sich das Helium-3 so relativ einfach im Regolith ablagern. Der Nachteil ist, dass er relativ dünn verteilt ist. Eine Tonne Regolith enthält gerade 0,01 Gramm davon. Dies macht es schwierig, das Helium-3 zu extrahieren. Der Staub muss dazu in solar betriebenen Schmelzöfen der Mondbasen bei 700 Grad Celsius ausgekocht werden. Auf diese Art ließen sich pro Jahr zwei bis drei Tonnen des Isotops gewinnen, immerhin genug, um ein kleineres Land ein Jahr lang mit Fusionsstrom zu versorgen.

Eine weitere Möglichkeit ist das Vorhandensein von Titaneisen, aus dem Titan gewonnen werden kann. Titaneisen wird auch Ilmenit genannt und kommt auf dem Mond etwa 10 mal häufiger vor als auf der Erde. Diese Erkenntnis wurde ebenfalls von der NASA im Rahmen der LCROSS-Mission mit der Mondsonde LRO erzielt. Titan kommt unter anderem in Titaneisen und Rutilerz vor. Seine Extraktion aus diesen Gesteinen ist jedoch kompliziert und aufwändig. Reines Titan ist daher bis zu zehn Mal teurer als Stahl. Verwendet wird es vor allem zur Legierung von Stahl, den es besonders hart und widerstandsfähig gegen Rost macht. Allerdings ist in Titaneisen Sauerstoff gebunden, dass bereits in Experimenten mit Hilfe von einfachen Öfen extrahiert wurde und zur Sauerstoffversorgung von Raumstationen oder Mondbasen verwendet werden könnte.

 

Ilmenit
Natürlich vorkommendes Titaneisen oder Ilmenit. Quelle: wikipedia

 

Was für Schlüsse können wir nun also aus dem Ganzen ziehen? Der Einzige Rohstoff, bei dem es sich lohnt, ihn zur Erde zu bringen, ist Helium-3. Der Rest lässt sich nur auf dem Mond selbst nutzen. Das gefrorene Wasser und die Extrahierung von Sauerstoff aus Titaneisen können zur Lebenserhaltung, Helium 3 und die restlichen Bestandteile des Regoliths als Energiequelle und zur Baustoff-Herstellung genutzt werden. Für eine bemannte Mond-Kolonie also gute Voraussetzungen. Wenn man nicht alles von der Erde mitbringen muss, sondern die Möglichkeit hat, vor Ort seine Rohstoffe abzubauen, spart man nicht nur Geld und Kapazität, sondern kann die Basis unter Umständen auch kontinuierlich erweitern, ohne auf Nachschub von der Erde angewiesen zu sein.

Meiner Meinung nach ist es für die Menschen an der Zeit, den Mond zu kolonisieren. Haben wir das einmal geschafft, steht uns der Weg zu den Sternen offen.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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2 Antworten zu Was gibts auf dem Mond zu holen?

  1. Das Smamap schreibt:

    Es könnte auch der Zeitpunkt kommen, zu dem diese Mondbasis, so es sie denn bis dahin gibt, noch die einzige Möglichkeit des Überlebens der Menschheit darstellt.

    Gefällt 1 Person

  2. ninahagn schreibt:

    Es geht ja nicht „nur“ um Rohstoffe (wobei die zugegebenermaßen schneller zu Gewinnen führen) sondern auch um wissenschaftliche Erkenntnisse, die durch solch eine Mission gewonnen werden können und auf lange Sicht für gewöhnlich auch irgendwie auf der Erde genutzt werden können (oftmals sehr gewinnbringend).

    Gefällt 1 Person

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