Getestet: universe2go – mehr als nur ein Hosentaschen-Planetarium

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Quelle: universe2go

 

Bereits mehrfach stieß ich in letzter Zeit auf Werbung und Hinweise zu „universe2go“. Erst fiel es mir gar nicht weiter auf, doch als ich dann vor kurzem zufällig eine Rezession las, wurde mein Interesse geweckt. Ich fand heraus, dass es sich wohl um ein Planetarium für das Smartphone handeln musste. Nachdem ich bereits einige Apps wie „google sky maps“, „star-tracker“ oder „stellarium mobile“ getestet hatte, war ich skeptisch. Meiner Erfahrung nach sind die Sensoren und der Kompass von Smartphones zu ungenau, um jemandem, der sich am Sternenhimmel nicht oder nur wenig auskennt, eine echte Orientierungshilfe zu sein. Hat man die grundlegenden Kenntnisse und findet zumindest die wichtigsten Orientierungspunkte sind sie zwar trotzdem hilfreich und informativ, ich blieb aber dann doch lieber bei dem Programm „Stellarium“ (und nein, der Name meines Blogs hat nichts mit diesem Programm zu tun :-).

Trotzdem war mein Interesse geweckt und ich klickte mich durch verschiedenste Bewertungen, bis ich schließlich auf der Homepage von „universe2go“ landete. Nach kurzem stöbern auf der äußerst übersichtlich und angenehm gestalteten Webseite wusste ich nun endlich, worum es sich handelte. Ich schrieb also eine Email an „universe2go“ und fragte nach einem Testgerät, da ich schon viel über das Produkt gelesen hatte und gerne in meinem Blog darüber schreiben möchte. Ehrlich gesagt hatte ich überhaupt nicht mit einer Antwort gerechnet, doch bereits am nächsten Tag erhielt ich die Email einer netten Dame, die sich freute, dass ich Interesse zeige und mir gerne ein Testgerät zur Verfügung stellen würde. Es dauerte dann auch nur wenige Tage als mich ein kleines Paket erreichte. Doch bevor ich nun weiter erzähle, möchte ich euch erklären, worum es sich hier überhaupt handelt.

„universe2go“ ist eine AR-Anwendung (Augmented Reality) oder zu deutsch: „erweiterte Realität“. Darunter versteht man die visuelle Darstellung von Informationen, also die Ergänzung von Bildern oder Videos mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten mittels Einblendung/Überlagerung.

In diesem Fall besteht das Produkt aus zwei Teilen. Einer App, die heruntergeladen werden muss, sowie einer Brille. Als ich die App im Play-Store ausgewählt hatte, erschrak ich ein wenig bei der Größe (403 mb inkl. Updates). Also auf jeden Fall für genug Platz auf dem Handy sorgen 😉 Die „Brille“ ist eine Kunststoff-Box, die auf der Vorderseite offen ist und auf der Rückseite zwei Seh-Schlitze aufweist. Auf der Oberseite befindet sich ein Hohlraum, in den das Smartphone eingelegt wird. In der Box befinden sich am Boden zwei konvexe Spiegel, die das Bild des Smartphones beim Durchblicken quasi in die „echte“ Umgebung projizieren.

Jetzt wird getestet

Bereits beim öffnen des Transport-Kartons bemerkte ich die Liebe zum Detail. Die Verpackung der Brille ist zwar schlicht gehalten, macht aber durch die Gestaltung Lust aufs aufmachen. Der Inhalt besteht aus der Brille (was auch sonst), einem Handbuch in 5 Sprachen, einer „like us on facebook and twitter“-Karte, einer schönen Stoff-Aufbewahrungstasche sowie einem Tragegurt. Der erste Eindruck: wertig.

 

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Die Brille

Obwohl sie zur Gänze aus Kunststoff besteht, wirkt sie qualitativ hochwertig. Zwar hätte man statt des klassischen, schwarzen Plastiks auch hochwertigeres Material verwenden können, doch hier steht die Funktionalität im Mittelpunkt und die wäre auch bei Carbon nicht besser oder schlechter. Was die Optik dennoch sehr aufwertet, sind die aufwändig gestalteten Logo-Embleme, die auf der Ober- und der Rückseite angebracht sind. Zwei Schlaufen an den Seiten ermöglichen das Befestigen eines Gurtes, um sich das Gerät um den Hals zu hängen. Die offene Vorderseite lässt sich mit einer Kappe verschließen, wobei über den Spiegeln sowieso eine Plexiglasscheibe sitzt. Manko hier: Die Sehschlitze sind nicht mit Glas-oder ähnlichem Abgedeckt, wodurch Staub, Schmutz oder Wimpern auf die Spiegel fallen können – und diese durch die Sehschlitze zu reinigen kommt einem Geduldsspiel gleich.

Auf der Oberseite lässt sich eine Klappe öffnen. Darunter befindet sich ein kleiner Hohlraum, in den das Smartphone eingelegt wird. Für verschiedene Handygrößen gibt es Schaumstoffrahmen um es zu fixieren.

 

Klicken zum Vergrößern

 

Die App

Wie gesagt, die Dateigröße hat mich etwas geschockt, doch davon sollte man sich nicht abbringen lassen. Die App hat zweierlei Modi: einmal mit Brille und einmal ohne. Ohne Brille zeigt sich eine detailierte Himmelskarte, die mit einigen Extras wie Beschreibungen, vergrößerten Abbildungen etc. aufwartet. Auch gibt es unterschiedliche Einstellungen und Filter, die angewendet werden können. Die wahre Stärke der App zeigt sie jedoch im Brillen-Modus. Hier einige Fakten:

  • kompletter Hipparcos-Katalog, ein hochpräziser Sternenkatalog mit ca. 120.000 Sternen
  • Messier-Objekte und kompletter NGC-Katalog, also Auflistungen von Galaxien, Nebeln und Sternhaufen
  • Speziell aufgearbeitete Bilder von Planeten, Deep-Sky-Objekten, Kometen und Satelliten
  • zahlreiche Audioguides

Nun wird auch klar, wo die Dateigröße herrührt.

Als nun die App installiert und die Brille ausgepackt war, startete ich die Anwendung und musste den Aktivierungscode, der sich im Karton befand eingeben. Anschließend wurde das Gyroskop kalibriert und es ging los. Leider konnte ich das Gerät vorerst nicht unter klarem Sternenhimmel testen, da es ziemlich bewölkt war, doch auch so fand ich mich beim durchblicken in einem virtuellen Sternenhimmel wieder. Eine angenehme Stimme führte mich durch die ersten Schritte.

In der Mitte des Blickfeldes befindet sich ein grüner Kreis, mit dem ich durch Schwenken des Blickfeldes Sterne, Sternbilder und sonstige Objekte fixieren kann, neben denen dann ein Feld mit Informationen aufgeht. Wenn ich beispielsweise länger auf Saturn verharre, zoomt das Blickfeld auf ihn ein und der Sprecher erklärt mir einige Fakten zu dem Ringplaneten. Ebenso verhält es sich bei Sternbildern und Galaxien. Wenn ich meinen Blick auf den Boden richte, öffnet sich ein Menü.

Es gibt hier verschiedene Modi, die ich auswählen kann:

  • den Starter-Modus: hier werden lediglich Sterne- und Sternbildlinien eingeblendet sowie grundlegende Erklärungen per Audio gegeben.
  • der Entdecker-Modus: hier gibt es zusätzliche, tiefergehende Informationen
  • der Mythologie-Modus: hier gibt es die Geschichten zu den Sternbildern
  • der Deep-Sky-Modus: hier liegt der Schwerpunkt auf Galaxien, Nebeln und Sternhaufen sowie explodierenden Supernovae
  • der 3D-Modus: Der Himmel wird plastisch und gewinnt an Tiefe. Dieser Modus eignet sich meiner Meinung nach für wolkige Nächte, in denen man nicht am richtigen Sternenhimmel gucken kann.
  • der Quiz-Modus: Hat man Grundlegende Kenntnisse gesammelt, kann man hier zeigen, was man schon weiß. Sehr schön geführt und programmiert.
  • der Suche-Modus: hier kann man gezielt nach bestimmten Objekten suchen, die einem dann an dessen richtiger Position am Himmel gezeigt werden.

 

Screenshots aus der App. Quelle: universe2go.com

 

Dieses Produkt ist sowohl für Einsteiger, als auch für Fortgeschrittene eine tolle Möglichkeit, den Himmel zu erkunden sowie sein Wissen weiter auszubauen. Kinder werden von der Schönheit des Universums fasziniert und Erwachsene können ihren Wissensdurst stillen, forschen oder einfach nur entspannen und nach einem stressigen Tag abschalten und virtuell durch das Universum reisen.

Mein persönliches Fazit

Der Preis für die Brille ist recht hoch – er liegt bei 99,-€ inkl. Versandkosten. Sieht man sich jedoch an, was man dafür bekommt, finde ich diesen Preis durchaus gerechtfertigt. In den Bewertungen wird zum Teil der minderwärtige Materialeinsatz bemängelt. Ich bin allerdings der Meinung, wie auch oben bereits erwähnt, dass die Brille, auch wenn sie aus Gold wäre, ihren Zweck auch nicht besser oder schlechter erfüllen würde. Weder wackelt etwas, noch wirkt sie leicht zerstörbar, doch das ist wahrscheinlich Ansichtssache. Die App ist übrigens kostenlos.

Was mir sehr gut gefallen hat ist der Aufbau der App. Die Bedienung ist unkompliziert und intuitiv, wobei man sowieso eine gute Einführung erhält, nach der auch ein 10-jähriger damit umgehen kann. Trotzdem ist sie nicht anspruchslos und man entdeckt immer wieder neue Funktionen (zumindest ich). Die App wird auch permanent gewartet und erweitert und ich bin gespannt, was für Funktionen und features es noch dazu geben wird.

Ich muss für „universe2go“ eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Gerade für Sternbegeisterte ein schönes Weihnachtsgeschenk oder auch für einen selbst eine gute Investition, von der man lange etwas hat. Ich trauere meiner Brille bereits nach, da ich sie ja wieder zurückschicken muss, doch bei nächster Gelegenheit werde ich mir wohl eine bestellen.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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4 Antworten zu Getestet: universe2go – mehr als nur ein Hosentaschen-Planetarium

  1. lunochod schreibt:

    Hab schon sehr viel über die Brille nachgedacht…die Zukunft ist offensichtlich jetzt…ist ja wie bei Terminator oder so…kann mich noch erinnern wie ich mich anfangs mit dem Firstscope und den Sternenkarten abgemüht habe. Dabei ist es schwierig die Größenverhältnisse am Himmel abzuschätzen. In dieser Hinsicht kann die Brille sehr viel bringen und den Einstieg einfacher gestalten. Aber wie ist es dann mit Schritt 2?…wenn man mit Brille bisher farbige Abbilder von Galaxien oder Planeten genossen hat und im Fernrohr plötzlich nur ein kleines Scheibchen ohne Farbe sieht. Na ja hat denke ich Vor und Nachteile das Ding…bei oberflächlichem Interesse konnte man bisher praktisch wenig anfangen in der Astronomie…das scheint jetzt möglich zu sein…vielleicht hält dieses Gerät ewas kleine Hofer/Aldi-Teleskope wie das MEADE ETX-70 versprochen haben…Plug and Play-Goto…hat ja in Wahrheit nie wirklich funktioniert so etwas und grundsätzlich freue ich mich, wenn viele Leute für die Astronomie begeistert werden können…ich glaube auch, dass man neben dem Entertainment-Faktor bei der Nutzung durchaus etwas lernen kann…trotzdem bin ich bei neuer Technologie auch immer ein klein wenig skeptisch. Angeblich weiß die mehrheit der jungen Leute nicht mehr wie ein Stadtplan anzuwenden ist und auch mit der Kommunikation untereinander siehts nicht immer gut aus seit dem das Smartphone einzug in unseren Alltag gehalten hat…darum bin ich auch hier skeptisch…ich danke dir für den gut gemachten Bericht…und vor allem für den Hinweis, dass es sich testen lässt…funktioniert das Ding mit allen Smatphones oder nur mit dem I-Phone? Wem schreibt man, wenn man es testen will? Vielleicht werde ich es testen…letztenendes hab ich nämlich Angst, dass es mir so geht wie dir und ich dann letztendlich eines kaufe 🙂 ist ja vielleicht wirklich eine gute Möglichkeit für Beobachtungs-Relaxen…

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    • stellariumblog schreibt:

      Ich gebe dir recht, die Thematik des sich ZU rasch entwickelnden Fortschritts lässt junge Menschen Dinge verlernen, die für uns ganz selbstverständlich waren bzw. sind. Allerdings ist das Thema Astronomie und alles Drumherum für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln – auch wenn sie sich dafür interessieren. Es ist schwer, als kompletter Laie einen vernünftigen Einstieg in das Thema zu finden und nicht jeder hat die Zeit, sich einer Sternwarte oder einem astronomischen Arbeitskreis anzuschließen. Hilfsmittel wie dieses hier oder auch Blogs und Webseiten wie meine (*grins*) können da durchaus eine Hilfe sein, weil interessierte langsam und strukturiert in das Thema eingeführt werden.

      Die größte Stärke der universe2go-Brille liegt meiner Meinung nach in der einfachen Handhabung. Auch wenn ich mir das 80,-€ – Teleskop von Aldi hole, kann ich als Laie noch nicht viel damit anfangen, weil ich ja gar nicht weiß, was ich mir da gerade anschaue oder nach was ich Ausschau halten soll.

      Dann noch ein Hinweis: Ich bekam die Brille zum Testen, damit ich einen Bericht darüber schreibe, der sowohl auf meinem Blog, als auch auf der Homepage von universe2go unter den „Pressestimmen“ auftauchen soll. Ich weiß nicht, ob das Unternehmen grundsätzlich die Möglichkeit bietet, das Gerät zu testen. Schreibe sie einfach mal an und frage nach, der Support ist wirklich sehr freundlich.

      Beste Grüße, Chris/stellariumblog

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  2. Pingback: Universe2go – auch für erfahrene Astronomen - astroshop.de Blog

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