Was passiert mit meinem Körper im Weltall?

Heute möchte ich mich der Frage widmen was passieren würde, wenn man ohne Raumanzug dem Vakuum des Weltalls ausgesetzt wäre. Hollywood stellt ein derartiges Szenario in gewohnter Manier ja ziemlich spektakulär dar: Das Blut beginnt zu kochen, Augen bzw. der Astronaut im Ganzen blähen sich auf oder platzen gleich komplett oder man wird im Bruchteil einer Sekunde schockgefrostet…. Ist so etwas tatsächlich der Fall oder verhält es sich eigentlich ganz anders?

 

Astronaut.jpg

Unsere einzige Chance, im All zu überleben – der Raumanzug. Bild: wikipedia

 

Sucht man dementsprechende Foren und Threads ab, findet man zum Teil die abenteuerlichsten Erläuterungen aus durchweg „zuverlässigen Quellen“. Doch prinzipiell muss man das ganze nur aus der physikalischen Sicht betrachten. Die NASA höchstselbst hat sich dieser Frage bereits gewidmet. Auf der offiziellen Homepage gibt es die Rubrik „Ask an Astrophysicist“, in der sich Wissenschaftler häufig gestellter Fragen annehmen. In einer Selbstbeschreibung heißt es wie folgt:

„We are a small group of volunteers who work on space-based astronomical observations, including cosmic-ray, gamma-ray, and X-ray astrophysics. Our research subjects are often exotic, like black holes, dark matter, and the origin of the universe.”

Klingt sehr kompetent und ist in der Tat auch eine recht umfangreiche Sammlung von zum Teil durchaus interessanten Fragen mit sehr schöne erklärten und schlüssigen Antworten. Es lohnt sich in der Tat, hier mal durchzustöbern und die Eine oder Andere Erkenntnis mitzunehmen. Unter anderem wurde hier eben auch die Frage gestellt: „How would the unprotected human body react to the vacuum of outer space?”

Sehen wir uns die Fakten also mal an:

 

Bringt mich der Druckunterschied zum Platzen?

Der für uns gewohnte Atmosphärendruck (und somit auch der Druck im Raumschiff) beträgt etwa 1 Bar, im Weltall sind es hingegen aufgrund des Vakuums 0 Bar -> Unterschied = 1 Bar.

Zum Vergleich: Gehen wir auf Tauchgang und tauchen im Wasser 10 Meter tief. Dort herrscht ein Druck von 2 Bar, also ebenfalls ein Unterschied von 1 Bar Druck im Vergleich zur normalen Erdatmosphäre. Würden wir nun platzen, wenn wir aus 10 Metern Tiefe rasch auftauchen? Nein. Somit würden wir uns auch im freien Weltraum weder aufblähen noch platzen.

 

Fängt mein Blut an zu kochen?

Der Mythos: „Durch den gewaltigen Druckunterschied würden schlagartig die Gase im Blut entweichen wodurch es zu kochen beginnt“.

Das ist so jedoch nicht ganz richtig. Zwar kann dieser Fall in abgeschwächter Form auch bei Tauchern, die zu schnell auftauchen, eintreten – man spricht dann von der „Taucherkrankheit“, doch dafür muss der Druckunterschied größer sein. Aus 10 Metern tiefe aufzutauchen bzw. einen Druckunterschied von 1 Bar zu überwinden, dürfte nicht ausreichen um diese Reaktion hervorzurufen. Zwar würde bei einem Loch im Raumanzug der Druck schlagartig absinken, doch um das Blut zum kochen zu bringen würde das wahrscheinlich nicht ausreichen.

 

Friere ich Augenblicklich ein?

Zwar herrscht im Weltall eine beeindruckende Kälte, nämlich ca. -270°C, doch man würde bei Weitem nicht sofort zum Eiszapfen erstarren. Grund hierfür sind die fehlenden Moleküle im Weltall, die dem Körper die Wärme entziehen. Es gibt drei Möglichkeiten, im All Wärme zu verlieren. Da wären:

  1. Wärmeverlust durch Wärmestrahlung (das hält sich allerdings in Grenzen)
  2. Wärmeabgabe an Moleküle (praktisch 0)
  3. Wärmeverlust durch Ausatmen

Sollte man also in die Verlegenheit kommen, dem freien Raum ausgesetzt zu sein, sollte man es tunlichst vermeiden, die angehaltene Luft auszuatmen. Befolgt man diesen Rat, wird man innerhalb der nächsten viertel-bis halben Minute zumindest nicht erfrieren. Trotzdem wirkt die Kälte natürlich gewaltig auf den Körper, was unsere Überlebenschancen auf maximal eine Minute begrenzt (von anderen Faktoren abgesehen).

 

Aber was passiert denn dann überhaupt und wie lange überlebe ich?

Gehen wir einmal von den besten Voraussetzungen aus (sofern das in dieser Situation möglich ist) und wir wissen, dass wir gleich schutzlos dem All ausgeliefert sein werden:

Zusammenrollen, damit so wenig wie möglich Körperwärme entweichen kann, Augen schließen und Hände darauf drücken, da das Auge überwiegend aus Wasser besteht, sowie die Luft anhalten. Unter diesen Umständen hätten wir nach Meinung der Wissenschaft etwa 10 Sekunden lang wenig Probleme. Dann jedoch würde dem Gehirn langsam der Sauerstoff ausgehen und wie würden das Bewusstsein verlieren. Solange das Herz noch schlägt und der Körper nicht zu sehr auskühlt könnten wir bis zu einer Minute durchhalten. Kommen wir spätestens dann wieder in eine lebensfreundliche Umgebung, stehen die Chancen nicht schlecht, zu überleben. Zwar hätten wir zugleich Erfrierungen durch die Kälte als auch Verbrennungen durch die kosmische Strahlung, doch mit etwas Glück kämen wir aus der Sache lebendig wieder raus.

So oder so, ich würde mich für ein derartiges Experiment auf keinen Fall freiwillig melden, denn angenehm wird das auch mit größter, wissenschaftlicher Gewissheit nicht werden.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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10 Antworten zu Was passiert mit meinem Körper im Weltall?

  1. urulix schreibt:

    Irgendwann gab es einen SF-Film. Da gab es einige 30 Sekunden Leute. Das waren jene, die von einem Raumschiff in ein anderes ohne Raumanzug wechselten. Ich kann mich an den Film aber nicht mehr erinnern, noch weiss ich eigentlich, ob es ein SF-Roman war.
    Das andere Extrem war ein Film mit Sean Connery, der einen Kriminalfall auf einem Jupitermond aufklären solle. Da füllte der Kopf den ganzen Raumhelm auf, als der Raumanzug einen Riss bekam.

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  2. Sven schreibt:

    Ein Taucher, der in 10m Wassertiefe die Lungen voller Luft hat und auftaucht ohne auszuatmen stirbt!!! Die Lunge dehnt sich durch den geringeren Druck auf und reißt!!! Wenn im Weltraum das Überleben das Ziel sein soll, dann muss der Astronaut ebenfalls ausatmen. Die Lunge kann nur wenige mBar Überdruck aushalten.

    Auch ein weiterer Aspekt ist physikalisch falsch: Wasser kocht bei einem Druck von 1 Bar bei 100°C steigt der Druck dann steigt auch die Temperatur, bei der Wasser kocht. Bei Null Bar kocht Wasser aber schon bei Zimmertemperatur. Deswegen würde auch im Körper, der innen den gleichen Druck hat wie außen, Wasser in den Innereien anfangen zu kochen, bis der Druck groß genug ist um dem entgegen zu stehen. Dadurch würden Gefäße platzen oder der Darm. Vielleicht könnte man für wenige Sekunden genug Druck im Körper halten können um keine tödlichen Verletzungen zu erleiden. Die Augen feste schließen, einen kleinen Rest Luft in Lunge und Mund halten und die Nase zuhalten, dabei den Bauch anspannen, damit der sich nicht zu sehr ausdehnen kann… Aber spätestens wenn man dazu nicht mehr die Kraft hat und der Sauerstoff im Blut verbraucht ist wird man unwiderrufliche Schäden erleiden…

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  3. Das Smamap schreibt:

    Ich kann mich auch an einen Flm erinnern. Ich meine es war „Event Horizon“ (hoffentlich täusche ich mich da jetzt nicht).
    Da wechselt ein Raumfahrer von einem Fahrzeug ins andere, indem in Ersterem die Luftschleuse geöffnet wird, und deren entweichender Luftdruck quasi als Anschub genutzt wird. Und so kommt er „rüber“ (als einzige noch verbleibende Möglichkeit der Rettung). Resultat sind ein paar Erfrierungen.
    Das Empfand ich immer schon als das Realistischere, im Vergleich zum platzenden Körper.

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  4. Arthur Dent schreibt:

    Wer den Anhalter durch die Galaxis gelesen hat weiß, man hat 30 Sekunden Zeit im Weltraum zu überleben 😉

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  5. Arthur Dent schreibt:

    Wer den Anhalter durch die Galaxis gelesen hat weiß, man hat 30 Sekunden Zeit im Weltraum zu überleben, um ein neues Anhalterraumschiff zu finden. Was aber natürlich sehr unwahrscheinlich ist, wenn es nicht ein Raumschiff mit unendlichem Unwahrscheinlichkeitsdrive gibt 😉

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  6. wordBUZZz schreibt:

    Und ich hatte schon Todesangst als ich die drei Meter Tiefswimmingpool tauchen musste. Runter tauchen und wieder hochkommen ist anstrengender als in die Länge zu tauchen. Mich würde es nun interessieren wenn der Astronaut zufälligerweise auch Apnoetaucher ist. Die haben doch ein viel, viel größeres Lungenvolumen als ein „normaler“ Mensch. Gehört das eig. auch zur Ausbildung eines Astronauten dazu: Luftanhalten lernen?^^

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  7. lugano999 schreibt:

    Der Homosapien als Mensch der Zukunft wird ein halber Android sein. Ich gehe davon aus und ich bin mir sehr sicher, dass der Mensch der Zukunft sich seines sterblichen oder empfindlichen Körpers entledigen wird, um ein gefahrenloses Reisen durch die Galaxie möglich zu machen. Seid Menschen gedenken ging es nur um das Eine… um das ewige Leben des Menschen.

    Gefällt 1 Person

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