Was passiert, wenn ich in ein Schwarzes Loch falle?

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künstlerische Darstellung eines rotierenden Schwarzen Lochs. Bild: techtimes

Diese Frage taucht sehr häufig auf und wurde unter Anderem auch in meiner Astronomischen Fragerunde von Kinder Unlimited gestellt. Den Begriff „Schwarzes Loch“ hat John Archibald Wheller 1967 ins Spiel gebracht. Er verweist auf den Umstand, dass sich im Außenraum von hinreichend kompakten Massen oder Energieanhäufungen ein durch den Ereignishorizont charakterisiertes Raumgebiet bildet, in das Materie nur hineinfallen, aber nicht wieder hinausgelangen kann („Loch“) und das auch elektromagnetische Strahlung, zu der auch sichtbares Licht gehört, niemals verlassen kann (deswegen „schwarz“). Doch wie ein Loch darf man es sich nicht vorstellen. Ein Schwarzes Loch müsste ebenso eine Kugel sein, wie beispielsweise der Stern, der es vorher war. Nur statt einer Oberfläche hat es eine „Grenze“, die wie oben erwähnt „Ereignishorizont“ genannt wird, da man bei Überschreitung dieser Grenze nie mehr wieder nach aussen gelangen kann. Was hinter dem Ereignishorizont liegt, kann niemand sagen – und wahrscheinlich wird das auch nie jemand mit Gewissheit tun können, denn man kann ja nicht einfach mal dahinter schauen, wieder raus kommen und sagen: „Ha, dachte ichs mir doch!“

Das Thema ist nicht so einfach, denn prinzipiell kann niemand sagen, was passieren würde wenn man in ein Schwarzes Loch fällt. Geht man nach Einsteins Relativitätstheorie, kann nichts dem Schwarzen Loch entkommen – kein Licht, kein Astronaut, einfach gar nichts. Was einmal den Ereignishorizont überschritten hat, ist für immer dahinter gefangen, weil die Anziehungskraft des Schwarzen Lochs so gewaltig ist, dass ich mich um einiges schneller als das Licht bewegen müsste. Und hier sagt der gute Einstein posthum: „Daraus wird leider nichts mein Freund.“

Dahingegen sagt die Quantenmechanik (und auch Stephen Hawking) etwas anderes: Beide sagen die sogenannte „Hawking-Strahlung“ voraus, also kleinste Teilchen, die unter bestimmten Umständen dem Schwarzen Loch eben doch entkommen können und dieses somit langsam aber stetig an Masse verliert, bis es irgendwann ganz verschwindet.

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Eine der seltenen Animationen, bei der das Schwarze Loch als Kugel dargestellt wird. Bild: bild

Geht man jetzt aber davon aus, dass das wirklich so stimmt, müsste ja nicht nur das Schwarze Loch irgendwann verschwunden sein, sondern auch alles, was es jemals in sich aufgenommen hätte: Gas, Staub, Planeten, Sterne, Astronauten etc. – doch das wiederspricht den Gesetzen der Quantenphysik. Und so sind wir wieder genauso schlau wie am Anfang. Was ich damit verdeutlichen möchte: Es kann keine genauen Vorhersagen geben was passieren würde, solange man über das Schwarze Loch selbst so gut wie nichts weiß. Ein paar Dinge jedoch kann man schon annehmen: Gut ausgehen würde es für den Astronauten nie.

Das eine Thema ist die „Spaghettisierung“. Das klingt witzig, wird sich aber garantiert nicht mal halb so witzig anfühlen. Es geht darum, dass die Gezeitenkräfte des Schwarzen Lochs auf die Füße mehr wirken als auf den Kopf. Somit werden die Füße auch stärker angezogen als der Kopf was dazu führt, dass ich in die Länge gezogen werde. Während das passiert wirken zusätzlich Seitenkräfte auf mich und drücken mich zusammen. Irgendwann sehe ich also aus wie ein kosmisches Spaghetti (daher der Name). Doch keine Angst, davon bekommen wir gar nichts mit, denn vorher hat die Gravitation verhindert, dass das Blut von meinen Beinen zurück in den Kopf fließt und ich wäre Ohnmächtig geworden – und zwar schon lange bevor ich zur Nudel wurde. Fazit: nicht überlebt. Dies alles spielt sich jedoch bereits vor dem Ereignishorizont ab.

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Schöne Darstellung, wie die Spaghettisierung wirken könnte. Bild: 3bp

Das andere Thema sieht allerdings auch kein besseres Ende vor: Durch die starke Krümmung der Raumzeit verlangsamt sich die Zeit immer mehr, je näher man sich der Singularität im Innern des Schwarzen Loches nähert bis sie bei erreichen selbiger stehen bleibt bzw. „endet“. Doch vorher müsste man den Ereignishorizont passieren. Sieht man sich wissenschaftliche Arbeiten der letzten Jahre an, wird die Annahme immer Größer, dass der Ereignishorizont keine imaginäre Grenze ist, sondern wie eine „Feuerwand“ wirken müsse. Man wird also nach der Spaghettisierung gegrillt, zerfällt dann in seine Einzelteile, bevor die Zeit bei Erreichen der Singularität schließlich stehen bleibt.

Wie auch immer, ein gutes Ende nimmt der Sturz in ein Schwarzes Loch wohl nie. Nicht ohne Grund sagte Stephen Hawking kürzlich, er würde nicht in ein Schwarzes Loch fallen wollen. Doch wie erwähnt, genau sagen kann man nicht, was passieren würde. Und nachdem das nächste Schwarze Loch unseres Wissens nach über 3.000 Lichtjahre entfernt ist, werden wir es wohl auch so schnell nicht testen können.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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4 Antworten zu Was passiert, wenn ich in ein Schwarzes Loch falle?

  1. Das Smamap schreibt:

    Hervorragend geschrieben. Danke.
    Eines habe ich als Laie allerdings nicht ganz kappiert: Wenn das SL aufgrund der „Hawking-Strahlung“ nach und nach verschwindet, warum widerspricht das den genannten Theorien? Denn das, was das SL in sich aufgenommen hatte, ist ja nach wie vor da, nämlich in Form besagter Strahlung.
    Wenn das jetzt den Rahmen sprengen würde, darauf einzugehen, dann bitte einfach auf sich beruhen lassen.

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    • Physikus schreibt:

      Du hast völlig recht. Die durch die “Hawking-Strahlung” emittierte Strahlungsenergie entspricht laut der Theorie dem Massenverlust des SL. E=mc^2 gilt also auch da. Leider haben sich noch weitere Fehler eingeschlichen. Die “Spaghettisierung” findet nicht hinter dem Ereignishorizont statt sondern davor. Den Ereignishorizont erreichen vermutlich nur noch Teile von Atomen. Und „Durch die starke Krümmung der Raumzeit VERLANGSAMT sich die Zeit immer mehr, je näher man dem Ereignishorizont kommt“.
      Den „Spagettieffekt“ kann man übrigens vermeiden wenn man sich ein sehr großes SL aussucht. 😉

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      • stellariumblog schreibt:

        Hallo Physikus,

        vielen Dank für den Hinweis. Mit der Zeitveränderung bei gekrümmter Raumzeit habe ich mich vertan. Bezüglich der Spaghettisierung vor- oder hinter dem Ereignishorizont war ich mir nicht mehr 100%ig sicher, hatte es deswegen nachrecherchiert und kam dabei überwiegend zu dem Ergebnis, dass sie erst NACH Überschreitung des Ereignishorizontes stattfindet. Ich vertraue aber hier auf dein Fachwissen und habe die kritischen Punkte dementsprechend geändert. Vielen Dank nochmals für die Hinweise.

        Gruß, Chris/Stellariumblog

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  2. ninahagn schreibt:

    Jaaa… ich finde das schwarze Loch kann auch gerne dort bleiben, so dringend muss ich das nicht wissen ^^

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