Wird die Erde immer schwerer?

Mutter ErdeBild: techtix

Ein Thema, dass mit Sicherheit in den Kommentaren zu regen Diskussionen verleitet. Ich möchte vorwegnehmen, dass ich mich mit diesem Thema befasst habe, weil ich mich, auf der Suche nach Themen, die Astronomie-Interessierte beschäftigen, durch zig Chatforen und Kommentar-Wolkenkratzer klicke und dabei die abenteuerlichsten Dinge zu lesen bekomme. Hier ein paar Beispiele: „Wir produzieren mehr Müll als wir verbrennen, deswegen wird die Erde schwerer“, oder „Wenn wir mehr auf nachwachsende Rohstoffe setzen, verbrennen wir zu viel Masse der Erde, wodurch sie an Gewicht verliert und wir irgendwann aus der Umlaufbahn um die Sonne fliegen“… Mein Favorit ist allerdings folgender Kommentar: „Wir nehmen durch Weltraumschrott (Meteore, Kometen etc.) jeden Tag soviel Gewicht zu, dass wir irgendwann so viel Masse auf der Erde haben, dass wir zu einem Schwarzen Loch werden.“

Ich habe mir das leider nicht ausgedacht, sondern das sind echte Kommentare, die ich unverändert hier reinkopiert habe… Man sieht also, wie viel sich manche Leute informieren, bevor sie so einen Müll im Internet loswerden, und Leute die sich dafür interessieren, lesen das dann und glauben es am Ende noch.

Dieses Desaster habe ich zum Anlass genommen, mal ein paar Dinge richtig zu stellen. Hier die Fakten:

Unsere Erde hat ein Gewicht von 5,972 x 10^24 kg oder anders gesagt 5,972 Tausend Trillionen Tonnen. Das ist eine Zahl mit 24 Nullen!!! Tatsache ist, dass die Erde tatsächlich täglich an Gewicht zunimmt. Grund dafür ist meteoritischer Staub, Asteroiden und andere Kleinst-Teile aus dem All. Die Quellen schwanken stark, doch im Schnitt sprechen wir von bis zu einigen Tausend Tonnen pro Tag, die die Erde an Gewicht zulegt. Das klingt nach einer gewaltigen Menge, doch wenn man das mal hochrechnet, ist es verschwindend gering: Wenn man den Zeitraum einer Milliarden Jahre heranzieht und von nur 1000 Tonnen pro Tag an Massenzuwachs ausgeht, kommt man auf eine Massenzunahme von dreihundertfünfundsechzig Billiarden kg. Ist viel, aber nur der ganz grob sechszehn millionste Teil der Erdmasse (wenn ich mich nicht verrechnet habe).

Bild: polpix

Alles andere, was auf der Erde selbst passiert, wie Bevölkerungszuwachs, Müllproduktion, Verbrennung nachwachsender Rohstoffe etc. vergrößert die Masse nicht und verringert sie auch nicht, weil das im Prinzip nur eine Umwandlung der Materie ist, die auf unserem Planeten vorhanden ist. Wenn dadurch irgendetwas an der Masse der Erde verändert würde, müsste diese Masse von ausserhalb der Erde kommen, und das tut sie ja nicht. Dadurch ändert sich das Gewicht der Erde also nicht. Wodurch sie es allerdings doch tut, ist durch das Abströmen atmosphärischer Gase ins Weltall. Ich konnte allerdings nirgendwo einen Artikel oder eine wissenschaftliche Veröffentlichung über dieses Thema finden. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass der Gewichtsverlust dadurch die Gewichtszunahme aufhebt oder gar zu einer Gewichtsreduzierung führt. Wenn jemand von euch genaueres darüber weiß, dann immer her mit den Infos 🙂

Auch ganz interessant ist die Tatsache, dass herabfallendes Laub im Herbst die Erde schneller drehen lässt. Das klingt jetzt weit hergeholt, basiert aber auf ernsthafter, wissenschaftlicher Arbeit. Wissenschaftler des Bundesamtes für Kartografie und Geodäsie der Technischen Universität München, beobachteten mit Hilfe eines zehn Tonnen schweren, ringförmigen Lasers, der die Rotation der Erde präzise vermessen kann, dass die herabfallenden Blätter die Drehgeschwindigkeit der Erde minimal verändern. Die Erde rotiert im Herbst und Winter schneller. Wobei die Forscher einräumen mussten, dass dieser Effekt unter Umständen auch andere Gründe haben könnte, die bislang nicht bekannt sind.

pirouette

Erklären lässt sich dieser winzige Effekt mit dem Drehimpulserhaltungssatz. Wenn bei einem rotierenden Körper Masse zur Drehachse hin verlagert wird, muss sich die Rotationsgeschwindigkeit erhöhen, um den Drehimpuls konstant zu halten. Klingt kompliziert, lässt sich aber mit den Pirouetten einer Eiskunstläuferin veranschaulichen. Wenn sie sich auf dem Eis dreht und dann die Arme an den Körper – also zur Drehachse – heranzieht, so wird die Drehung schneller. Das hat jeder schon einmal gesehen.

Genauso verhält es sich mit der Erde, wobei hier der Einwand kommen könnte: Wenn bei uns Herbst ist, dann ist doch auf der Südhalbkugel der Erde Frühling, und dort treiben in den Bäumen doch die Säfte nach oben, und neue Blätter sprießen an den Zweigen. Das ist natürlich richtig, doch auf der Nordhalbkugel gibt es deutlich mehr Landmasse und insgesamt viel mehr Wälder als auf der südlichen Hälfte unseres Planeten. Der Nettoeffekt ist also, dass im Winter mehr Masse am Erdboden konzentriert ist und sich deshalb die Erde ein wenig schneller dreht.

Der Effekt ist zwar winzig, aber mit dem hochgenauen Ringlaser der TU München in Wettzell tatsächlich messbar. Die Forscher dort berichten, dass die Tage im Winter knapp eine tausendstel Sekunde kürzer sind als im Sommer.

Neben den fallenden Blättern haben zahlreiche andere Phänomene einen Einfluss auf die Erdrotation. Natürlich spielt der Mond eine Rolle, der periodisch an der Erde zieht und die Gezeiten beeinflusst. Das Hin- und Herschwappen der Ozeane spiegelt sich in periodischen Geschwindigkeitsänderungen der Erdrotation wider. Aber auch Meeres- und Magmaströmungen haben eine Wirkung. Und schließlich haben auch Einzelereignisse wie das Abbrechen einer Kontinentalplatte einen messbaren Einfluss auf die Erdrotation.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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3 Antworten zu Wird die Erde immer schwerer?

  1. Zeilenende schreibt:

    Hallo! Erstmal danke für deinen tollen Blog. Ich genieße die tägliche Portion Astronomie. Und da der Beitrag mich zum Lachen gebracht hat, wollte ich dir einmal einen kleinen Dank da lassen. 🙂

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  2. wordBUZZz schreibt:

    Das mit dem Herbst und dem Winter ist ja mal eines der coolsten Dinge die ich jemals gehört habe.. Ein Wunder das man das messen kann. Vor allem wer kommt auf diese Idee? 😀 Ich glaube das ist ein Zeichen für mich niemals Wissenschaftlerin zu werden. Mich interessiert morgens vor 8 Uhr nämlich nur mein Frühstück und im Herbst im allgemeinen schon die Weihnachtsgeschenke.

    Gefällt 1 Person

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