Hat das Kepler-Teleskop eine Dyson-Sphäre entdeckt?

In den letzten Tagen bin ich im Netz vermehrt auf Meldungen gestoßen, die berichten, dass das Weltraumteleskop „Kepler“ offenbar einen Hinweis auf eine fremde Zivilisation gefunden hat. Wie so oft finden sich Meldungen dieser Art meistens auf Seiten, die nicht gerade für ihre wissenschaftliche Seriösität bekannt sind, sondern sich größtenteils mit Verschwörungstheorien und UFO-Sichtungen beschäftigen. Doch nachdem sowohl die Mission des Kepler-Teleskops, wie auch das Thema an sich, sehr interessant ist, lohnt es sich durchaus, dem ganzen einen Beitrag zu widmen.

UKIRT-Teleskopaufnahme des Sterns „KIC 8462852″. Sie zeigt eine deutlich sichtbare Ausbuchtung auf der linken Seite. Bild: Boyajian et al.

Das Projekt „Planet Hunters“ ist eine von der Yale-Universität ins Leben gerufene Maßnahme, um die gewaltige Datenflut, die das Weltraumteleskop „Kepler“ produziert, in einem überschaubaren Zeitrahmen auszuwerten. Hierbei werden von den Astronomen Datenpakete an zivile Hobby-Planetenjäger ausgegeben, die die Forscher bei der Auswertung unterstützen sollen. Nun haben Mitglieder des Projekts in diesen Daten einen Stern entdeckt, der von zahlreichen Objekten umkreist wird, die – obwohl es sich schon um einen reifen Stern handelt – den Stern erst seit wenigen tausend Jahren umkreisen. Man kann sowohl eine Protoplanetare Scheibe, wie auch Planeten ausschließen, da sich die Objekte so nah am Zentralgestirn befinden, dass sie bereits nach kurzer Zeit entweder von den Gezeitenkräften zerrissen, bzw. in den Stern stürzen würden.

Wie ich bereits hier geschrieben habe, könnte das ein Merkmal für eine sogenannte Dyson-Sphäre sein. Bei den sternnahen Objekten könnte es sich also um gewaltige Kollektoren handeln, die die Sonnenenergie einfangen, weiterleiten und nutzbar machen. Astronomen des SETI-Projekts, die nach Signalen außerirdischer Zivilisationen suchen, werden den Stern schon in den kommenden Monaten mit Großteleskopen ins Visier nehmen.

Diagramme der 4-jährigen Kepler-Beobachtungsdaten. Sie zeigen bislang einzigartige, auffällige Sprünge auf. Copyright/Quelle: Boyajian et al

Das Weltraumteleskop Kepler arbeitet nach einem (im Grunde genommen) einfachen Prinzip. Es beobachtet Sterne in den Sternbildern Schwan und Lyra und registriert dabei wiederkehrende Schwankungsmuster in der Helligkeit der Sterne, nämlich wenn ein Planet vor ihm vorüber zieht und dabei einen Teil der Strahlung abschirmt.

Bereits 2011 wurde von mehreren „Planet-Huntern“ ein auffälliger Stern gemeldet: Es handelt sich um den Stern mit dem poetischen Namen „KIC 8462852″, denn er weist ein komplett anderes Lichtmuster auf, als alle bisher von Kepler beobachteten Sternen.

Das Kepler-Weltraumteleskop. Bild: wikipedia

Laut einem vorab auf ArXiv.org veröffentlichten Fachartikel über den Stern, spricht sein Lichtmuster für eine große Masse an Materie, die den Stern in enger Formation umkreist. Diese Materiemasse ist groß genug, damit sie einen von Kepler messbaren teil des Sternenlichts blockiert. In dem Artikel werden noch ausschließlich natürliche Erklärungsmöglichkeiten diskutiert – darunter ein „kürzliches“ Kometen- oder Asteroidenbombardement, einen Zusammenstoß zweier planetarer Körper oder aber auch einen Defekt der Beobachtungsinstrumente. Derzeit steht fest, dass noch jede dieser Möglichkeiten so gut wie alle anderen sind. Auf jeden Fall müsse es sich aber um einen selbst nach komischen Maßstäben sehr seltenen Vorgang handeln.

Aktuell arbeiten Astronomen, darunter Jason Wright von der Penn State University und Andrew Siemion, dem Direktor des SETI Research Center an der University of California, an einem Fachartikel über eine „alternative Interpretation“ des Lichtmusters von KIC 8462852. Wright selbst sucht schon seit 2012 nach Signaturen für künstliche Megastrukturen außerirdischer Hochzivilisationen.

Very_Large_Array,_2012

Das „Very Large (Telescope) Array“ in New Mexiko. Bild: wikipedia

Eine Möglichkeit, einen exakten Unterschied zwischen künstlicher Technologie und natürlichen Ursachen festzustellen, ist der Einsatz von Großteleskopen wie dem Very Large Array (VLA) in New Mexiko. Sollten entsprechende Signale aufgefangen werden, so sei jetzt schon dessen Einsatz geplant. SETI möchte bereits im kommenden Januar mit ersten Beobachtungen beginnen und nach Infrarotstrahlung in diesem Gebiet suchen, das in der Theorie von Dyson-Sphären emittiert werden müsste.

Es ist eine durchaus vielversprechende Entdeckung, denn selbst wenn man feststellt, dass es sich nicht um eine Außerirdische Zivilisation handelt, so gewinnt man doch neue Erkenntnisse über die Vorgänge im Universum, die man bislang noch nicht beobachtet hat. Ich bin, so oder so, auf weitere Ergebnisse gespannt.

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7 Antworten zu Hat das Kepler-Teleskop eine Dyson-Sphäre entdeckt?

  1. veloopity schreibt:

    Im Originalbericht (http://arxiv.org/pdf/1509.03622v1.pdf) steht nur „we conclude that the scenario most consistent with the data in hand is the passage of a family of exocomet fragments, all of which are associated with a single previous breakup event“. Natürlich „könnte“ das auch irgendwas anderes sein, aber jede Webseite, die sich irgendwie wissenschaftlich geben will, sollte da erstmal Ockhams Rasiermesser ansetzen und nicht herumspekulieren

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    • stellariumblog schreibt:

      Ich habe auch nicht herumspekuliert, sondern eine Zusammenfassung dessen wiedergegeben, was in besagten Beiträgen zu diesem Thema geschrieben wird. Ich weise auch extra darauf hin, dass die „wissenschaftliche Seriösität“ dieser Quellen fragwürdig ist und ziehe mein Fazit daraus, dass es eben so gut etwas ganz anderes sein kann.

      Ich weiß nicht, ob dein Kommentar nun auf mich abzieht oder nicht, doch falls es so ist, gebe ich den dezenten Hinweis, den Beitrag bis zum Ende zu lesen 😉

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      • veloopity schreibt:

        ich kann ja jetzt zugeben, daß ich auch auf eine Dyson-Sphäre hoffe, oder zumindest auf einen interstellaren Schrottplatz 🙂

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      • stellariumblog schreibt:

        Darauf hoffen tu ich auch, trotzdem bin ich da eher skeptisch. Und dann stellt sich immer noch die Frage, was nützt uns das auf diese Entfernung bzw. was für einen Nutzen können wir daraus ziehen? Und wenn es sich wirklich um eine hochtechnisierte Zivilisation handelt, die wir bereits mit unseren Teleskopen aufspüren können, haben sie uns wahrscheinlich schon vor tausenden von Jahren entdeckt… So oder so, ich finde es trotzdem spannend 🙂

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  2. Autricius schreibt:

    Auf jeden Fall ist es sehr spannend

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  3. Thomas Patermann schreibt:

    „Befassen wir uns mit Tatsachen. Es gibt 2 Möglichkeiten.. Entweder wir sind allein im Universum, oder wir sind es nicht. Beide sind beunruhigend. “

    Arthur C. Clarke.

    „Wir sind noch naiver als Höhlenmenschen, welche gerade Feuer entdeckt haben und sich darauf ausruhen, wenn wir ernsthaft glauben wir wären Die Einzigen Lebewesen im All. Kennen Sie Ameisendenken? Eine Ameise krabbelt im Gras und nimmt so Ihren Kosmos war. Plötzlich wird Sie von einem Fuß zerquetscht. Die Frage ist nicht ob es Ameisen oder Füße gibt, sondern, was wir sind. Die Ameise, oder Der Fuß. “

    Professor Stephen Hawking.

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  4. seescho schreibt:

    Egal ob was dran ist an dieser Entdeckung, eine interessantes Thema ist es allemal. Ich bin gespannt, was hier die Zukunft noch zeigen wird.

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