Theia, ein nächtlicher Regenbogen und der Weltraumvertrag: Unser Mond

Jeder Mensch auf der Welt kennt ihn, er leuchtet (fast) jede Nacht am Sternenhimmel und er beeinflusst unser Wetter: Unser Mond. Doch was wissen wir wirklich über ihn? Wie ist er entstanden, woraus besteht er, was gibt es auf ihm zu finden? Dazu gibt es hier die Antworten.

Mond
Unser einziger, dafür umso schönerer Mond. Bild: Wikipedia

Auch hier möchte ich, in altbekannter „Das Sonnensystem in Zahlen“-Manier, erst mal die wichtigsten Daten des Erdmondes aufführen:

  • Durchmesser am Äquator:                3.476 km
  • Mittlere Entfernung zur Erde:            384.400 Kilometer
  • Mittlere Umlaufzeit um die Erde:       27,32 Tage
  • Mittlere Orbitalgeschwindigkeit:        1,023 km/sec
  • Masse (Gramm):                               7,349 x 1022 kg
  • Mittlere Dichte:                                  3,341 g/cm³
  • Fluchtgeschwindigkeit:                      2380 m/s
  • Siderische Rotation:                          27,322 Tage
  • Temperatur:                                       +130 °C bis −160 °C
  • Atmosphäre:                                      Helium, 25%, Neon 25%, Wasserstoff 23%, Argon 20%,
  • Monde:                                               Keinen – ist ja selbst einer

Da sich der Mond fast so schnell um sich selbst, wie auch um die Erde dreht, sehen wir immer nur dieselbe Seite. Erst 1959, lieferte die sowjetische Sonde Lunik 3 die ersten Bilder von der Rückseite des Mondes. Über die Entstehung des Mondes ist man sich noch nicht ganz einig. Es hat sich allerdings die sogenannte „Kollisionstheorie“ durchgesetzt. Danach kollidierte die frühe Erde mit einem etwa marsgroßen Protoplaneten namens Theia. Das Material, dass durch die Kollision ins All geschleudert wurde, sammelte sich größtenteils in einer Umlaufbahn um die Erde, und ballte sich im Laufe der Zeit zu einem festen Körper, unserem Mond, zusammen. Hier eine Animation, wie die „Kollisionstheorie“ ausgehen haben könnte:

Hier ist zu sehen, wie Theia (schwarzer Punkt), sich auf die Erde (blauer Punkt) zubewegt und sich aus den Kollisionsresten der Mond (roter Punkt) bildet. Quelle: Wikipedia

Doch das ist bei weitem nicht die einzige Entstehungstheorie. Hier noch einige, weitere Beispiele:

  • die Abspaltungstheorie: Von einer heißen, (zäh)flüssigen und schnell rotierenden Proto-Erde schnürte sich ein „Tropfen“ ab und bildete den späteren Mond.
  • die Einfangtheorie: Erde und Mond entstanden unabhängig in verschiedenen Regionen des Sonnensystems; bei einer engen Begegnung fing die Erde den Mond durch ihre Gravitation ein.
  • die Schwesterplanet-Theorie: Erde und Mond entstanden gleichzeitig und nahe beisammen.
  • die Öpik-Theorie: Der Vorläufer des Mondes entstand aus der Materie, die von einer heißen Proto-Erde abdampfte.
  • die Viele-Monde-Theorie: Mehrere Monde wurden gleichzeitig eingefangen und kollidierten nach einiger Zeit. Aus den Bruchstücken bildete sich der heutige Mond.
  • die Georeaktor-Explosions-Theorie: Der Mond wurde durch die Explosion eines Georeaktors aus der Erde heraus befördert.
  • die 2 Monde-Theorie besagt, dass die Erde neben dem Mond noch einen kleineren zweiten Mond mit etwa 1200 km Durchmesser gehabt haben soll. Dieser soll nach mehreren Millionen Jahren mit dem größeren kollidiert sein, was die unterschiedlich aussehenden Hälften des Mondes erklären könnte.

Anhand unserer Beobachtungen und Berechnungen gehen wir jedoch mittlerweile mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die erwähnte „Kollisionstheorie“ am wahrscheinlichsten ist. Der Erdmond war bis vor kurzem der größte Mond im Verhältnis zu seinem Planeten in unserem Sonnensystem. Die Erde ist nur knapp viermal größer als unser Mond. Im direkten Größenvergleich sieht das so aus:

Mond-Erde

Bild: Wikipedia

Und auch der Abstand von der Erde zum Mond lässt sich noch maßstabsgetreu, grafisch darstellen:

Mond-Erde Abstand

Bild: Wikipedia

Aus diesem geringen Größenunterschied sowie der Nähe zueinander resultieren allerdings gravitative Einflüsse, die wir auf der Erde durchaus spüren können. Der Mond treibt so quasi unsere Gezeiten an – und damit sind nicht nur Ebbe- und Flut in den Meeren gemeint, sondern auch eine Hebung und Senkung des gesamten Erdmantels. Und was wiederum daraus resultiert, ist nicht weniger spannend: Die durch die Gezeiten frei werdende Energie wird der Drehbewegung der Erde entnommen und der darin enthaltene Drehimpuls dem Bahndrehimpuls des Mondes zugeführt. Dadurch verlängert sich aktuell die Länge jeden Tages um etwa 20 Mikrosekunden pro Jahr. Rechnet man das hoch, wird in ferner Zukunft die Erdrotation an den Mondumlauf gebunden sein und die Erde wird dem Mond immer dieselbe Seite zuwenden.

Im Gegensatz zu den deutlich sichtbaren Einflüssen des Mondes auf die Erde, sieht es bei dessen Einfluss auf Lebewesen etwas anders aus. Gerade in ländlichen Gegenden der Erde wird seit jeher Landwirtschaft und Gartenarbeit an den jeweiligen Mondphasen ausgerichtet. Ebenso gibt es Menschen die behaupten, bei Vollmond entweder sehr gut bzw. überhaupt nicht schlafen zu können. Auch die Esoterik kommt ohne den Mond überhaupt nicht aus.

Wissenschaftliche Beweise für den direkten Einfluss des Mondes auf Lebewesen gibt es bislang keinen, ganz im Gegenteil. Einige Wissenschaftler haben sich eingehend damit befasst und konnten eher Beweise „gegen“ lunaren Einfluss aufzeigen. Nach dem Skeptic’s Dictionary hat bislang keine ausgewertete, wissenschaftliche Studie, eine signifikante positive Korrelation zwischen Mondphasen und dem Auftreten von Schlafstörungen, Verkehrsunfällen, Operationskomplikationen, der Häufigkeit von Suizidhandlungen oder der Häufigkeit von Geburten ergeben.

Was sich hingegen durchaus nachweisen lässt, aber leider nur sehr selten auftritt, ist ein sogenannter „Mondregenbogen“. Ja, den gibt’s tatsächlich. Ich kam leider noch nicht in den Genuss, selbst einen zu sehen, doch glücklicherweise leben wir im digitalen Zeitalter, in dem schon mehrere Menschen nachts eine Kamera dabei hatten, um damit Aufnahmen wie diese von einem Mondregenbogen zu schießen:

Mondregenbogen

Bild: meteoprog.at

Der Mondregenbogen entsteht, ebenso wie der gewöhnliche Regenbogen, durch das Zusammentreffen von Licht und Regentropfen bzw. Wasserpartikeln in der Luft (Dunst, Nebel etc.)

Und nachdem unser Mond aufgrund seiner Nähe zu uns nicht nur der am Besten erforschte Himmelskörper außer der Erde ist, sondern auch der einzige, auf den der Mensch bislang seinen Fuß gesetzt hat, ist die Liste an Mond-Missionen, Sonden, Satelliten etc. auch dementsprechend lang. Doch trotz der unzähligen Missionen haben bislang nur zwölf Menschen unseren Erdtrabanten betreten – und alle waren Amerikaner:

1. 21. Juli 1969 Neil Armstrong (1930–2012) Apollo 11
2. Buzz Aldrin (* 1930)
3. 19. November 1969 Charles Conrad (1930–1999) Apollo 12
4. Alan Bean (* 1932)
5. 5. Februar 1971 Alan Shepard (1923–1998) Apollo 14
6. Edgar Mitchell (* 1930)
7. 31. Juli 1971 David Scott (* 1932) Apollo 15
8. James Irwin (1930–1991)
9. 21. April 1972 John Young (* 1930) Apollo 16
10. Charles Duke (* 1935)
11. 11. Dezember 1972 Eugene Cernan (* 1934) Apollo 17
12. Harrison Schmitt (* 1935)

Trotz der Dominanz Amerikas in Sachen Mond, gehört der USA jedoch kein Quadratzentimeter von ihm. 1967 wurde nämlich tatsächlich ein Weltraumvertrag (Outer Space Treaty) oder auch „Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper“, von 192 Staaten der Vereinten Nationen unterzeichnet, der es Staaten untersagt, einen Eigentumsanspruch auf Weltraumkörper wie den Mond zu erheben. Da im Outer-Space-Treaty-Abkommen nur von Staaten die Rede ist, wird von manchen interpretiert, dass dieses Abkommen nicht für Firmen oder Privatpersonen gelte. Aus diesem Grund wurde 1979 ein weiterer Vertrag, nämlich der Mondvertrag (Agreement Governing the Activities of States on the Moon and Other Celestial Bodies) entworfen, um diese Gesetzeslücke zu schließen.

So, das waren jetzt einige Fakten zu unserem Mond, bei denen evtl. der ein- oder andere noch nicht bekannt war. Wie immer habe ich hier bei Weitem nicht alles erklärt, doch es muss ja noch Stoff für weitere Beiträge bleiben…

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
Dieser Beitrag wurde unter astronomie, astrophysik, forschung, physik, Raumfahrt, wissenschaft abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s