Wasser auf dem Mars – und keine Aliens

Mit Spannung wurde weltweit die heutige Pressekonferenz der NASA um 17:30 Uhr deutscher Zeit erwartet. Es wurde im Vorfeld von „Der Lösung des Mars-Rätsels“ gesprochen, doch wie es meistens bei Ankündigungen der NASA der Fall ist, bleibt die große Überraschung (zumindest im Verhältnis zu den Vorankündigungen) eher lapidar. Zwar ist die Erkenntnis, dass es auf dem heutigen Mars flüssiges Wasser gibt, durchaus beeindruckend, doch der Hype, der vorher durch die Medien darum gemacht wird, spielt dem Alien-Fieber natürlich genau in die Karten. Kaum hatte die NASA erklärt, eine Pressekonferenz zu neuen Erkenntnissen bezüglich des roten Planeten zu geben, überschlugen sich bereits Meldungen, dass Aliens entdeckt wurden, Bruchstücke eines fremden Raumschiffes gefunden wurden usw… Doch was genau wurde denn heute überhaupt bekannt gegeben?

Man ist sich relativ sicher, dass es vor Millionen von Jahren auf dem Mars komplett anders ausgesehen hat als heute. Es gab große Wasseransammlungen, aktive Vulkane und eine deutlich dichtere Atmosphäre als heute. Man hat bereits das Vorhandensein von Wassereis in den Polregionen und höchstwahrscheinlich auch in Äquator-Nähe nachgewiesen. Was allerdings bislang nur spekuliert wurde, ist, ob es auch heute noch flüssiges Wasser dort gibt – und genau diese Vermutung hat die NASA nun verhärtet.

recurring slope lineae

Ein Hang des Garni-Kraters auf dem Mars. Bild: NASA/JPL/University of Arizona

Auf dem Bild oben sieht man deutlich die dunklen Flächen, die aussehen, als ob eine Eisschicht tauen würde und Wasser von dort hinab läuft. Ähnliches hat man bereits früher vermutet, bislang konnte es allerdings nicht bewiesen werden. Diese Linien werden Recurring Slope Lineae (Deutsch: wiederkehrende Hangstriche, kurz RSL) genannt und sind schon oft auf Bildern von Raumsonden zu erkennen gewesen. Sie treten in der warmen Jahreszeit auf und verschwinden nach einiger Zeit wieder. Man hatte vermutet, dass es sich um Sandschichten handeln könnte, die sich durch Temperaturunterschiede oder Winde bewegen würden. Nachdem sich keiner der Mars-Rover in der Nähe einer solchen Erscheinung befindet, blieb lediglich die Analyse durch Sonden, die allerdings nicht scharf genug auflösen können. Anders ist es mit dem Spektrometer CRISM (Compact Reconnaissance Imaging Spectrometer for Mars), das sich am Mars Reconnaissance Orbiter (MRO), einer Raumsonde, die sich im Mars-Orbit aufhält, befindet. Ein Spektrometer kann aus dem empfangenen Licht, das in diesem Fall vom Mars reflektiert wird, Aufschlüsse über die chemische Zusammensetzung seiner Quelle schließen. So hat CRISM festgestellt, dass der Marsboden im Umfeld der RSL extrem salzhaltig ist. Demnach enthält der Marsboden im direkten Umfeld der RSLs mehr Salzminerale als in der weiteren Umgebung – mutmaßlich weil er dort von den Ausflüssen benetzt wurde.

Striche im Sand

So bilden sich die dunklen Linien im roten Sand. Bild: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Eigentlich kann sich flüssiges Wasser an der Oberfläche des Mars wegen dessen dünner Atmosphäre nicht lange halten – trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt verdampft es sofort. Nur eine Flüssigkeit, die sehr viel Salz enthält, bleibt lange genug flüssig, um die meterlangen Spuren erzeugen zu können.

Kurz gesagt, hat die NASA bewiesen, dass es auf dem Mars flüssiges, extrem salzhaltiges Wasser gibt, dass durch die Wärme während des Mars-Sommers aus den unterirdischen Eisvorkommen taut und an die Oberfläche tritt, wo es binnen kurzer Zeit wieder verdunstet. Ob und in welcher Form sich in dieser Flüssigkeit Leben bilden bzw. erhalten kann, ist weiterhin umstritten und wird wahrscheinlich erst geklärt, wenn es uns möglich ist, eine Probe dieser Flüssigkeit zu untersuchen. Bis dahin müssen sich alle Alien-Fans und Science Fiction-Freaks nach wie vor gedulden, denn grüne Männchen sind leider dieses mal nicht entdeckt worden.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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3 Antworten zu Wasser auf dem Mars – und keine Aliens

  1. kinder unlimited schreibt:

    klasse Zusammenfassung !

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Allgemeines Live-Blog ab dem 28. September | Skyweek Zwei Punkt Null

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