Was sind Weiße Löcher und gibt es sie überhaupt?

Man hört ja viel von Schwarzen Löchern, auch ich habe in meinem Blog bereits eine ganze Menge Beiträge zu ihnen verfasst. Doch hin und wieder hört man auch von Weißen Löchern. Was ist das denn nun wieder? In diesem Beitrag gehe ich der Sache mal auf den Grund.

weißes loch

Künstlerische Darstellung eines Weißen Lochs. Bild: herczog

Wissenschaftlich gesprochen sind Weiße Löcher das Gegenteil von Schwarzen Löchern: eine sichtbare Singularität. Die Einsteinschen Feldgleichungen sind symmetrisch in der Zeit (zeitumkehr-invariant), d.h. eine Zeitumkehrtransformation einer Lösung der Feldgleichungen ist wieder eine Lösung! Ein nicht rotierendes Weißes Loch entspricht der avancierten Eddington-Finkelstein-Lösung eines Schwarzschild-Loches.

Bitte was?

Also, etwas einfacher. In der Theorie sind Weiße Löcher das Gegenteil eines Schwarzen Lochs. Während ein Schwarzes Loch Materie anzieht und schließlich „verschluckt“, geben Weiße Löcher ständig Materie ab. Und welchem Zweck dient das? Die Allgemeine Relativitätstheorie gestattet es, ein System aus einem Schwarzen- und einem Weißen Loch zu erstellen. Diese Gebilde werden im Allgemeinen auch als Wurmloch oder Einstein-Rosen-Brücke bezeichnet und verbinden zwei Punkte in der Raumzeit miteinander, theoretisch sogar zwei Universen. Das Schwarze Loch saugt nach diesem Modell quasi die Materie an und gibt sie durch das Weiße Loch am anderen Ende des Wurmlochs wieder ab.

Künstlerische Darstellung eines Wurmloches, das zwei Punkte in der Raumzeit miteinander verbindet. Bild: transinformation

Soweit, so gut, doch davon profitieren könnten wir wohl eher nicht. Der Raumzeitkanal würde jeden, der versuchen würde, hindurchzufliegen, durch die gewaltigen Gezeitenkräfte zerreißen. Auch wenn Supermassereiche Schwarze Löcher, die in den Zentren von Galaxien sitzen, geringere Gezeitenkräfte aufweisen als Stellare Schwarze Löcher, gelangt man bei beiden irgendwann an die punktförmige Singularität in ihrem inneren – und spätestens hier wird es nicht nur eng, sondern verdammt eng. Und auch noch eine Sache spricht gegen dieses Modell: Berechnungen zeigen, dass Wurmlöcher, sofern sie überhaupt entstehen könnten, extrem instabil wären und schon die kleinste Abweichung, beispielsweise durch einen hindurchfliegenden Astronauten, dafür sorgen würde, dass sie verschwinden würden.

Auch ein Weißes Loch müsste, ebenso wie ein Schwarzes Loch, einen Ereignishorizont besitzen, den man nicht überschreiten kann. Gerät man hinter den Ereignishorizont eines Schwarzen Loches, müsste man schneller als das Licht sein, um ihm wieder zu entkommen. Bei einem Weißen Loch müsste es sich theoretisch andersherum verhalten und man müsste sich mit Überlichtgeschwindigkeit bewegen, um von außen hinein zu kommen. Leider wieder ein Punkt, der gegen die Weißen Löcher spricht.

Beobachtet wurden noch keine Weißen Löcher und es ist auch unwahrscheinlich, dass wir je welche entdecken werden. Sollte es sie geben, hätten wir sie, aufgrund der austretenden Materie und Strahlung, mit Sicherheit bereits erspäht. Sie sind lediglich ein hypothetisches Produkt mathematischer Gleichungen, die zwar Science Fiction – Autoren guten Stoff liefern, doch in der Realität leider kaum entstehen können und wenn doch, wären sie für uns absolut nutzlos.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
Dieser Beitrag wurde unter astronomie, astrophysik, forschung, mathematik, physik, wissenschaft abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

20 Antworten zu Was sind Weiße Löcher und gibt es sie überhaupt?

  1. kinder unlimited schreibt:

    danke, ich wusste zwar, dass es keine weissen Löcher gibt, aber kapiert hatte ich es bis eben nicht !

    Gefällt 1 Person

  2. wordBUZZz schreibt:

    Also ich bin für die Existenz weißer Löcher 😀 Das ist wie mit der Erdkruste beziehungsweise der Plattentektonik. Wo Platten konvergieren müssen sie auch irgendwann divergieren. Ergo wo was verschluckt wird, wird auch irgendwo was wieder ausgespuckt. Das Chaos muss schließlich immer erhalten bleiben oder so 😉

    Gefällt 1 Person

  3. kinder unlimited schreibt:

    Es wäre toll, wenn Du mal über Supertranslation schreiben würdest.

    Gefällt 1 Person

  4. Saki schreibt:

    Sehr Hilfreich! Ich musste für eine 6.Klasse schwarze Löcher und weiße Löcher erklären und das hat mir echt geholfen. Allerdings waren die Kid’s etwas traurig als ihnen gesagt wurde, dass weiße Löcher eher unwahrscheinlich sind. Naja, Zehntklässler sind keine Astrophysiker und können nicht alles erklären 😀

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s