Interessante Fakten: Die Mond-Illusion

Fast jedem dürfte schon mal aufgefallen sein, das Mond und Sonne, wenn sie nah am Horizont stehen, viel Größer erscheinen als sonst. Dieses Phänomen wird Mond-Illusion oder Mondtäuschung genannt. Allerdings hat das ganze keinen physikalischen Ursprung, sondern ist ein reines Produkt unserer Wahrnehmung. Die Gründe hierfür sind bisher nicht ausreichend erklärt. Fakt ist, je näher der Mond oder die Sonne dem Horizont kommen, desto größer erscheinen sie uns.

Der Mann, der den Mond angebaut hat. Bild: hudo

Bereits im Babylon des 6. vorchristlichen Jahrhunderts wurden Beobachtungen der Mond-Täuschung aufgezeichnet. Später hat man angenommen, dass die Erd-Atmosphäre einen Lupeneffekt auf das einfallende Mond- und Sonnenlicht hätte, was sich später allerdings als falsch erwies. Mittlerweile gibt es viele Erklärungsansätze, von denen allerdings keiner stichfest bewiesen werden konnte. Den vielversprechendsten möchte ich hier kurz vorstellen. Es ist das Prinzip des „Variablen Wahrnehmungsbereiches“.

In dieser Hypothese wird das visuelle System einem Datenkanal gleichgesetzt. Während das Bild auf der Netzhaut sehr viel Information enthalten kann, stellt die weitere neuronale Verarbeitung des Bilds zur Wahrnehmung einen Engpass dar: Pro Sekunde kann nur eine bestimmte Informationsmenge übertragen und verarbeitet, also nur eine begrenzte Zahl von Bildelementen identifiziert werden. Mit diesen kann man zwar wahlweise einen größeren oder kleineren Bildausschnitt darstellen bzw. wahrnehmen, aber ein kleinerer Ausschnitt zeigt mehr Detailinformation, da die Bildelemente dann dichter gepackt sind. Ein größerer Ausschnitt hat wiederum den Vorteil des Überblicks. Nimmt man noch an, dass der jeweils gewählte Bildausschnitt – ob groß oder klein – auf eine Art inneren Monitor oder einen Speicher konstanter Größe im visuellen System projiziert wird, dann stellt sich die Mondtäuschung so dar:

Je kleiner der Ausschnitt aus dem Retinabild, desto größer erscheint das Objekt. Bild: wikipedia

Aufgrund der begrenzten Kanalkapazität wird nur ein Ausschnitt des Retinabilds zur Wahrnehmung verarbeitet. Ist der erfasste Bereich klein, dann vermitteln die identifizierten Bildelemente eine hohe Detailauflösung. Ein einzelnes Objekt macht einen großen Anteil an diesem Bereich aus und erscheint deshalb groß, auch der Mond. Bei einem großen Wahrnehmungswinkel ist die Auflösung entsprechend geringer, außerdem wirkt alles – da auf dieselbe Fläche projiziert – entsprechend kleiner. Der immer gleich große „innere Monitor“ steht dabei bildhaft für die Vorstellung, dass das visuelle System bei der Betrachtung eines großen wie auch eines kleinen Bereichs immer seine volle Datenkapazität einsetzt, um in beiden Fällen eine vergleichbare Anzahl charakteristischer Details zu erfassen.

Experimente zur Messung der wahrgenommenen Größe einer hellen Kreisscheibe wurden von Erna Schur bzw. von Lloyd Kaufman und Irvin Rock durchgeführt. Während Schur eine starke Vergrößerung in der Wahrnehmung in horizontaler Blickrichtung gegenüber der vertikalen auch bei nahen terrestrischen Stimuli fand, berichten Kaufmann und Rock, dass in vertikaler Blickrichtung eine virtuelle Kreisscheibe dann größer erschien, wenn der natürliche Horizont über einen Spiegel in die Sichtlinie eingeblendet wurde.

Einen ungewöhnlich großen Himmelskörper beobachtet man am Horizont, wenn dieser als dominierende Lichtquelle die Details in seinem Bereich scharf und kontrastreich hervorhebt. Das Bestreben des visuellen Systems, kleine Objekte wegen der dort herrschenden guten Sichtbedingungen auch besonders gut aufzulösen, bewirkt die Einstellung eines entsprechend kleinen Wahrnehmungswinkels, was dann auch den Mond (oder die Sonne) automatisch mit vergrößert. Bei den irdischen Objekten fällt der Vergrößerungseffekt nicht so auf, da man diese ständig aus unterschiedlichen Entfernungen und damit auch unterschiedlich groß sieht, während bei Himmelskörpern mit ihrer immer gleichen Ausdehnung eine scheinbare Größenänderung stärker ins Auge sticht.

Das interessante daran ist, dass sich dieser Effekt ganz einfach abschalten lässt. Man braucht nur ein Foto des Szenarios zu machen. Auf dem Bild danach hat der Mond bzw. die Sonne ihre ganz normale Größe. Und noch einfacher geht es, wenn man sich einfach auf den Kopf stellt oder den Himmelskörper durch die Beine ansieht.

Quelle: wikipedia

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2 Antworten zu Interessante Fakten: Die Mond-Illusion

  1. Ronny schreibt:

    Wobei man sich ja eher das umgekehrte wünscht: Den Mond auf einem Foto so abzubilden, wie man ihn selber wahrnimmt. Ich erinnere mich noch gut an enttäuschende Fotos aus der analogen Zeit.

    Gefällt 2 Personen

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