Das Sonnensystem in Zahlen: Venus

Bild: medienwerkstatt

Unser Sonnensystem ist unser Zuhause. Wir bewohnen den dritten Planeten von der Sonne aus gesehen – die Erde – und über die wissen wir so einigermaßen Bescheid. Doch was ist mit den anderen sieben? Wie groß sind sie? Aus was bestehen sie? Wie warm oder kalt ist es auf ihnen? Diese Fragen soll meine kleine Serie beantworten. Ich hatte sie bereits zu den Anfangszeiten meines Blogs in einem sehr statischen Format veröffentlicht, fand es aber etwas sehr langweilig und habe sie nochmal überarbeitet. Viel Spaß 😉

Venus

Radarkarte der Venus. Quelle: NASA

Venus

Facts:

  • Durchmesser am Äquator:           12.103,6 km (0,95 x Erde)
  • Physikalische Eigenschaften:      Gesteinsplanet
  • Mittlere Entfernung zur Sonne:    108,16 Millionen Kilometer
  • Mittlere Bahngeschwindigkeit:     35,02 km/sec
  • Masse (Gramm):                          4,869 x 10/24 kg(0,81 x Erde)
  • Mittlere Dichte:                             5,243 g/cm³ (0,95 x Erde)
  • Fluchtgeschwindigkeit:                 10,36 km/sec (0,92 x Erde)
  • Rotation:                                       243,27 Tage (retrograd)
  • Temperatur:                                 +464°C
  • Druck an der Oberfläche:             92atm
  • Atmosphäre:                                 Kohlenstoffdioxid: 96,5%, Stickstoff: 3,5%, Schwefeldioxid: 0,015%
  • Monde:                                         keine

Der Bahnradius der Venus entspricht etwa 2/3 der Distanz Erde Sonne. Da sie somit innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist, kann sie an unserem Himmel nicht beliebig weit von der Sonnen entfernt stehen. Sie geht deshalb als Abendstern meist bald nach der Sonne unter und ist deshalb in der Abenddämmerung in westlichen Richtungen zu finden. Als Morgenstern findet man sie als hellsten Stern in östlicher Himmelsrichtung. Die Venus kann nicht gleichzeitig sehr heller Morgen- und Abendstern sein. Steht die Venus am Himmel, so ist sie bei weitem das hellste Gestirn (abgesehen von Sonne und Mond). Sind die Sichtverhältnisse besonders günstig, so gehen an den Volkssternwarten viele Anrufe von Leuten ein, die wissen wollen, was denn das sei, das da am Himmel so hell leuchte.

Es hält sich auch die Vermutung, dass es in den Atmosphärenschichten der Venus Leben in primitiver Form gibt. Dies könnte unter anderem das Fehlen oder das Vorhandensein bestimmter Gase erklären. Darüber hinaus fand die Pioneer-Venus-Eintauchkapsel in den Wolken Partikel in Bakteriengröße. Wobei wir auch schon bei Besuchen auf der Venus wären. Es gab im Gegensatz zu den Missionen zu Merkur eine Vielzahl von unbemannten Venusmissionen wie z.B. die sowjetischen Venera-Missionen 1-8. Einige umfassten eine weiche Landung auf der Oberfläche, mit Kommunikationszeiten von bis zu 110 Minuten, jedoch sämtlich ohne Rückkehr und folglich auch ohne Proben. Die Venus umkreist die Sonne näher als die Erde, wobei der Abstand der Venus zur Sonne nur 72 Prozent des Abstands der Erde zur Sonne beträgt. Deshalb muss eine Raumsonde über 41 Mio. km in das Gravitationspotential der Sonne fliegen, was zu einer erheblichen Zunahme der kinetischen Energie der Sonde führt. Zusammen mit der hohen Schwerkraft der Venus führt dies zu einer Erhöhung der Geschwindigkeit der Sonde, so dass die Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung der Sonde stärker als beim Mars verändert werden müssen, um aus einer Vorbeiflugbahn in eine Umlaufbahn einzutreten.

Venus-Vulkan
Mit 8 km Höhe ist Maat Mons der höchste Vulkan auf der Venus. Foto: http://photojournal.jpl.nasa.gov/catalog/pia00254

Am 10. August 1990 erreichte mit Magellan nach Pioneer-Venus die nächste US-amerikanische Raumsonde eine Umlaufbahn um die Venus. Das einzige Instrument der Sonde war ein Synthetic Aperture Radar, mit dem die Oberfläche der Venus kartiert werden sollte. In den darauf folgenden Jahren wurden 98 % der Oberfläche von 89° Nord bis 89° Süd kartiert, wobei die Auflösung der Aufnahmen bei rund 100 Metern pro Pixel lag. Damit waren die Karten um den Faktor 200 gegenüber Pioneer-Venus 1 und immerhin um den Faktor 15 gegenüber Venera 15 und Venera 16 detailreicher. Zudem wurde in der Endphase der Mission die Bahn der Sonde so gewählt, dass sie durch die obersten Schichten der Atmosphäre flog und so Schlussfolgerungen über die Dichte und Zusammensetzung der Atmosphäre erlaubte. Durch diese Manöver wurde die ohnehin schon kaum funktionierende Sonde ständig abgebremst und trat schließlich am 12. Oktober 1994 in die tieferen Schichten der Atmosphäre der Venus ein und verglühte; es ist jedoch nicht auszuschließen, dass einige Restteile der Sonde die Oberfläche erreichten. Der Magellan-Sonde verdanken wir die besten der heute verfügbaren Karten der Venus.

Das war nur ein kleiner Ausschnitt aus den Venus-Missionen. Doch damit ist noch nicht schluss, denn in Zukunft ist auch noch einiges geplant:

  • ESA: Die von der ESA geplante Merkursonde BepiColombo soll an der Venus vorbeifliegen. Ihr Start wurde mehrfach verschoben und ist derzeit für August 2015 geplant.
  • Russland will mit einer neuen Landemission namens Venera-D an die früheren Venera-Erfolge der sowjetischen Zeit anknüpfen. Doch diesmal soll die Landesonde im Unterschied zu ihren Vorgängern mehrere Monate lang auf der Venusoberfläche in Betrieb bleiben können. Der Start ist derzeit für 2016 angesetzt.
  • Auch die USA hegen Überlegungen für neue Venusmissionen, unter anderem im Rahmen des New-Frontiers-Programms: Der Venus-Lander SAGE (Surface and Atmosphere Geochemical Explorer) sollte im Zeitraum 2015-2018 starten, konnte sich aber nicht gegen die Asteroiden-Sonde OSIRIS-REx durchsetzen. Weiterhin wird eine große Flagship-Mission untersucht, die unter anderem einen oder zwei Ballons in der Atmosphäre betreiben würde.
  • USA: Auch im Rahmen des Discovery-Programms ist eine Venusmission möglich: Der Orbiter Vesper könnte sich dem Studium der Venusatmosphäre widmen. Allerdings ist die Realisierung dieser Projekte noch unsicher, da noch andere Missionsvorschläge zu anderen Himmelskörpern zur Auswahl stehen.

Da die Venus das hellste sternartige Objekt am Firmament ist, hat sie wohl seit Anbeginn der Kulturgeschichte eine tragende Rolle in der Astronomie, aber auch in der Mythologie und der Astrologie gespielt. Die Sumerer verbanden den hellsten Wandelstern mit der Göttin Inanna, die Babylonier mit Ištar, der Göttin der Liebe und des Krieges, Ninsianna bezeichnete den Morgenstern. Auch nach der Erkenntnis, dass es sich um denselben Himmelskörper handelt, unterschied man in Babylonien und Assyrien weiterhin zwischen Morgen- und Abendstern. Im antiken Arabien war Al-ʿUzzā die Göttin des Morgensterns, in Syrien die Brüder Šaḥar und Šalim. Bereits Anfang des dritten Jahrtausends v. Chr. verehrten die Ägypter die Venus unter dem Namen Netjer-duai als Morgenstern. Im alten Ägypten verband man den Wandelstern mit der Göttin Isis.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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7 Antworten zu Das Sonnensystem in Zahlen: Venus

  1. chris schreibt:

    Venus ist mein Lieblingsplanet.
    Vielleicht gerade, weil sie so „unbewohnbar“ ist. 😉

    Gefällt 1 Person

  2. wordBUZZz schreibt:

    Was ich ganz cool finde an der Venus ist ihre Rotation. Ich meine er benötigt 243 Erdentage für eine Rotation um sich selbst und nur 225 Tage für einen Umlauf um die Sonne. Venusianer hätten also jeden Tag Geburtstag. Die hätten verdammt viel zu feiern. Vielleicht ist es doch ganz gut, dass sie unbewohnt ist.

    Gefällt 1 Person

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