Das Sonnensystem in Zahlen: Merkur

Bild: medienwerkstatt

Unser Sonnensystem ist unser Zuhause. Wir bewohnen den dritten Planeten von der Sonne aus gesehen – die Erde – und über die wissen wir so einigermaßen Bescheid. Doch was ist mit den anderen sieben? Wie groß sind sie? Aus was bestehen sie? Wie warm oder kalt ist es auf ihnen? Diese Fragen soll meine kleine Serie beantworten. Ich hatte sie bereits zu den Anfangszeiten meines Blogs in einem sehr statischen Format veröffentlicht, fand es aber etwas sehr langweilig und habe sie nochmal überarbeitet. Viel Spaß 😉

Der Merkur. Bild: gerhards

Merkur

Facts:

  • Durchmesser am Äquator:             4.878 km (0,38 x Erde)
  • Physikalische Eigenschaft:            Gesteinsplanet
  • Mittlere Entfernung zur Sonne:      57,91 Millionen km
  • Mittlere Umlaufzeit um die Sonne: 88 Tage
  • Mittlere Bahngeschwindigkeit:       47,9 km/sec
  • Masse (in Gramm):                        3,30 x 10/26 g (0,055 x Erde)
  • Fluchtgeschwindigkeit:                  4,3 km/sec (0,38 x Erde)
  • Dichte:                                           5,43 g/cm³ (0,98 x Erde)
  • Rotation:                                        58,65 Tage
  • Temperatur:                                   -180 bis + 420°C
  • Atmosphäre:                                  Sauerstoff: 42%, Natrium: 29%, Wasserstoff: 22%, Helium: 6%
  • Monde:                                           keiner bekannt

Betrachtet man die relativ hohe Dichte des Planeten, muss man daraus folgern, dass er einen großen, massereichen Eisenkern besitzt. Dieser macht etwa 40 Prozent des ganzen Körpers aus. Der Mantel besteht aus Silikaten. Das Vorhandensein eines Eisenkerns wurde durch die Raumsonde Mariner 10 noch weiter bestätigt. Als sich diese dem Planeten näherte, registrierte der Magnetometer ein Magnetfeld. Dieses macht ca. 1% des Erdmagnetfeldes aus.
Die Oberfläche ist der unseres Mondes optisch sehr ähnlich – er ist stark von Kratern überzogen. Durch die Nähe zur Sonne unterliegt er großen Temperaturschwankungen. Auf der sonnenzugewandten Seite entstehen bis zu + 420°C, während auf der sonnenabgewandten Seite -180°C herrschen können. Merkur hat nur eine hauchdünne Atmosphäre und da er der Sonne sehr nahe ist, wird sich auch niemals eine dichtere Atmosphäre bilden können. Die angegebenen Daten schwanken je nach Quelle etwas, deshalb habe ich versucht, die mittleren Werte zu benutzen.

Die Oberfläche des Merkur ähnelt der unseres Mondes. Bild: astro.goblack

Der Merkur wurde auch bereits mit Raumsonden umrundet:

Die erste, die den Planeten erreicht hat, war die oben erwähnte Raumsonde Mariner 10 der NASA. Sie startete am 3. November 1973, flog am 5 Februar 1974 an der Venus vorbei und holte sich dabei den nötigen Schwung in Richtung Hauptziel. Sie umkreiste den Merkur am 29 März, am 21 September 1974 und nochmals am 16 März 1975. Bei dieser Mission wurde etwa die Hälfte der Oberfläche kartographiert.

Die zweite Raumsonde war MESSENGER, die ebenfalls von der NASA entsandt wurde und 2011 als erste Raumsonde in einen Merkurorbit einschwenkte. Ihre Aufgabe war es, mit zahlreichen Instrumenten den Zustand des Planetenkerns zu bestimmen, die Polkappen des Planeten zu untersuchen sowie die Exosphäre und die Magnetosphäre zu erforschen. Um ihr Ziel zu erreichen, flog MESSENGER eine sehr komplexe Route, die sie in mehreren Fly-by-Manövern erst zurück zur Erde, dann zweimal an der Venus sowie dreimal am Merkur vorbei führt. Der erste Vorbeiflug am Merkur fand am 14. Januar 2008 um 20:04 Uhr MEZ statt und der zweite am 6. Oktober 2008. Dabei wurden bereits Untersuchungen der Oberfläche durchgeführt und Fotos von bisher unbekannten Gebieten aufgenommen. Der dritte Vorbeiflug, durch den die Geschwindigkeit der Sonde verringert wurde, erfolgte am 30. September 2009. Da die Sonde kurz vor der Passage unerwartet in den abgesicherten Modus umschaltete, konnten für geraume Zeit keine Beobachtungsdaten gesammelt und übertragen werden.

Die gesamte Reise nahm etwa 6,5 Jahre in Anspruch. Die Mission im Merkurorbit wurde in Jahresabschnitte aufgeteilt, welche jeweils am 18. März begannen. Vom 18. März 2011 bis 18. März 2012 wurden während der sogenannten primären Mission die wichtigsten Forschungen vorgenommen und anschließend begann die erste erweiterte Mission, welche bis zum 18. März 2013 lief. Ob eine weitere Mission folgt, ist noch nicht entschieden.

Die dritte Sonde ist erst in Planung und eine Gemeinschaftsmission der ESA und der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA und trägt den Namen BepiColombo. Ihr Start sollte eigentlich bereits 2013 erfolgen, wurde aber dann ein paar mal verschoben. Aktuell ist der Start für Januar oder Februar 2017 geplant. BepiColombos Hauptaufgaben bestehen in der Untersuchung des Magnetfelds sowie der geologischen Zusammensetzung und Geschichte des sonnennächsten Planeten. Die Sonde ist nach dem Spitznamen des 1984 verstorbenen italienischen Mathematikers Giuseppe Colombo benannt, der sich um die Merkur-Erkundung besonders verdient gemacht hat.

Für die Zukunft Merkurs gibt es allerdings relativ düstere Prognosen. Konstantin Batygin und Gregory Laughlin von der University of California, Santa Cruz, und davon unabhängig Jacques Laskar (Pariser Observatorium) haben aufgrund von Computersimulationen festgestellt, dass das innere Sonnensystem auf lange Sicht nicht stabil bleiben wird. Merkurs Bahn weist die höchste Exzentrizität aller Planeten auf, und ist bereits heute beinahe so exzentrisch wie die Bahn des Kleinplaneten Pluto. In ferner Zukunft (in einer Milliarde Jahren oder mehr) könnte Jupiters Schwerkraft Merkur aus seiner jetzigen Umlaufbahn herausreißen, indem er durch seinen Einfluss nach und nach Merkurs Bahnexzentrizität vergrößert, bis der Planet in seinem sonnenfernsten Punkt (Aphel) die Umlaufbahn der Venus kreuzt. Daraufhin könnte es vier Szenarien geben:

  1. Merkur stürzt in die Sonne
  2. er wird aus dem Sonnensystem geschleudert
  3. er kollidiert mit der Venus
  4. oder sogar mit der Erde

Auch Richard Zeebe von der University of Hawaii in Manoa beschäftigte sich kürzlich mit diesem Thema und kam dabei zu ähnlichen Ergebnissen. Jedoch liegt die Chance, dass eine dieser Möglichkeiten eintreffen wird, bevor sich die Sonne zu einem Roten Riesen aufblähen wird, lediglich nur bei rund 1% – also keine Panik 🙂

Für ein Highlight in den internationalen Medien sorgte der Merkur 2013 mit der Schlagzeile: Krater auf dem Merkur nach John Lennon benannt. Darüber habe ich hier berichtet. Ansonsten hoffe ich, dass in den kommenden Jahren (vor allem durch BepiColombo) noch einiges über Merkur in Erfahrung gebracht wird.

In der nächsten Folge geht es dann um die Venus, über die es auch einiges interessantes zu Berichten gibt.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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5 Antworten zu Das Sonnensystem in Zahlen: Merkur

  1. wordBUZZz schreibt:

    Das mit dem Merkurszenario wusste ich ja noch gar nicht, also ich hoffe mal dass er nicht mit der Erde kollidiert… Aber soll sich die Erde nicht erst in 4 Milliarden Jahren aufblähen? Ich meine, das dauert ja noch eine kleine Ewigkeit. Was würde das eigentlich für Auswirkungen haben, wenn der Merkur fehlen würde?

    Übrigens der Merkur ist der schnellste Planet unseres Sonnensystem, dazu hat Marina 10 damals den Kuiper Krater entdeckt, der ja nach Peter Kuiper benannt wurde. Das Caloris-Becken ist glaube ich der größte Krater 1300 km Durchmesser.. Eine schöne Marathonstrecke, der Aufprall des Meteoriten waren übrigens so gewaltig dass auf der gegen überliegenden Seite sich Berge aufgetürmt haben. Übrigens ist der Merkur auch ein Schlankmacher, ein 100kg Mensch würde auf dem Merkur nur 38 kg wiegen.

    So jetzt habe ich auch mal meinen Senf dazu gegeben. Wie immer ;-D Ich mag übrigens deine Serie!

    Gefällt 1 Person

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