Bewegter Exoplanet – Entfernter Gasriese unter die Lupe genommen

Nach aktuellem Stand (17.09.2015) sind exakt 1.956 Exoplaneten in 1.239 Planetensystemen bekannt bzw. entdeckt worden. Auf der Website http://www.exoplanet.eu gibt es eine Auflistung aller bekannter Exoplaneten sowie Beschreibungen und Daten zu jedem einzelnen davon. Was bislang allerdings nicht gelang, war eine einigermaßen deutliche Aufnahme eines Extrasolaren Planeten – bis jetzt. Wobei auch die Aufnahmen des Gemini-Planetary-Imagers in Chile, die vor kurzem gemacht wurden, nicht wirklich als „scharfe Bilder“ zählen dürften. Man muss sich allerdings vor Augen halten, dass die stark verpixelten Aufnahmen ein Objekt zeigen, dass sich in 60 Lichtjahren Entfernung befindet – das sind 570 Billionen Kilometer (eine 1 mit 12 Nullen). Das wäre in etwa so als versuche man, von Berlin aus, die Rückenhaare einer Obstfliege in New York City zu fotografieren. Mit diesen Fakten im Hinterkopf bekommt der Pixelhaufen und die animierte Bildfolge unten gleich eine ganz andere Bedeutung:

Bild: M. Millar-Blanchaer, University of Toronto; R. Marchis (SETI Institute)

Quelle: M. Millar-Blanchaer, University of Toronto; R. Marchis (SETI Institute)

Diese Aufnahmen zeigen den Exoplaneten Beta Pictoris b, dessen Heimatstern Beta Pictoris hier mit einem sogenannten Koronograph abgedeckt wurde – das ist eine Blende, die ursprünglich entwickelt wurde, um die Sonnenkorona beobachten zu können, indem sie die Sonne einschließlich ihrer Photosphäre abdeckt. Allerdings dient sie in angepasster Form auch vorzüglich dafür, andere Sterne abzublenden, um zu sehen, was um sie herum so passiert – ansonsten würde die Helligkeit des Sterns alles andere im Umkreis zig Tausendfach überstrahlen. Der abgebildete Planet ist ein Gasriese mit der ca. zehnfachen Masse unseres Nachbarplaneten Jupiter. Für eine vollständige Umrundung seines Muttersterns benötigt Beta Pictoris b 22 Jahren und hat dabei einen Abstand zu ihm, der in etwa der Entfernung zwischen Sonne und Saturn entspricht. Diese Aufnahmen ermöglichen Maxwell Millar-Blanchaer von der University of Toronto in Kanada, eine genaue Bestimmung der Umlaufbahn, sowie die Untersuchung seiner Wechselwirkung mit der weiter außen liegenden Materiescheibe aus Überresten der Planetenentstehung. Dieses Planetensystem befindet sich gerade in der Spätphase seiner Entwicklung, weshalb es besonders aufschlussreich sein dürfte, in dieser Phase so exakte Beobachtungen machen zu können. Unser Wissen über die Planetenentstehung fußt lediglich auf Berechnungen und Hypothesen. Noch nie wurden konkrete Beobachtungen gemacht (wie auch).

„Unsere Bildserie liefert die bislang genauesten Positionsmessungen für diesen Exoplaneten“, freut sich Maxwell Millar-Blanchaer. „Mit dem Gemini Planetary Imager können wir außerdem die Materiescheibe und den Planeten gleichzeitig sehen. Durch die Kombination des so gewonnenen Wissens über den Planeten und die Scheibe erhalten wir einen Einblick in die Architektur des Systems und die Wechselwirkungen zwischen seinen Elementen.“

Manuel Paredes/Gemini Observatory/AURA

Doch mit der hohen Beobachtungsgenauigkeit war es das dann auch schon. Außerirdisches Leben, Pflanzen oder Wasser werden wir auf diesem Planeten wohl nicht finden. Er befindet sich weit außerhalb der habitablen Zone seines Sterns, womit es viel zu kalt wäre, um flüssiges Wasser oder gar Leben zu beherbergen. Außerdem handelt es sich um einen Gasplaneten, der keine feste Oberfläche hat. Trotzdem ist es eine großartige Sache für Astronomen, die sich mit der Entstehung von Planeten und Planetensystemen beschäftigen. Eine zweite Erde lässt allerdings nach wie vor auf sich warten, doch wer weiß, es könnte jeden Moment eine entdeckt werden…

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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