Galileo-Satelliten überprüfen die Relativitätstheorie

Galileo ist ein globales Navigations-Satelliten-System, dass in seinem Aufbau und seiner Funktionsweise dem amerikanischen GPS ähnelt. Es ist ein System, dass mit insgesamt 30 Satelliten arbeitet. Im August 2014 passierte eine Panne beim Aussetzen zweier Galileo-Satelliten – es handelte sich um die Satelliten 5 und 6, oder besser „Milena“ und „Doresa“. Ursprünglich sollten beide in einer Höhe von 23.000 Kilometern die Erde umkreisen, jedoch gab es Probleme durch eingefrorenen Treibstoffleitungen auf der russischen Trägerrakete SOJUS. Diese bewirkten, dass die Satelliten nun stattdessen die Erde auf einer elliptischen Umlaufbahn umkreisen, und zwar in einer Höhe, die kontinuierlich zwischen 17.500 und 25.000 Kilometern variiert.

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Umlaufbahn der Galileo Satelliten „Milena“ und „Doresa“. Bild: uni-bremen

Diesen Umstand wollte sich ein Team des Center of Applied Space Technology and Microgravity (kurz: ZARM) an der Universität Bremen zunutze machen, um Albert Einsteins Relativitätstheorie zu überprüfen. Experimente dieser Art wurden zwar bereits durchgeführt, doch nie zuvor hatte man die Möglichkeit, mit derartiger Präzision und über einen langen Zeitraum zu messen. Es geht um folgendes:

Einsteins „Allgemeine Relativitätstheorie“ besagt, dass Gravitation die Zeit beeinflusst. Nachdem Masse den Raum krümmt, müsste demnach die Zeit langsamer vergehen, je näher man sich einer großen Massenansammlung annähert. Dieses Prinzip wird auch „Gravitative Rotverschiebung“ genannt und geht streng genommen nicht auf die Allgemeine Relativitätstheorie direkt zurück. Dieses Thema ist etwas komplizierter, wen es interessiert, hier ein Link. Dies wurde bereits in einigen Experimenten bestätigt. Man hat beispielsweise 1978 eine Rakete mit einer sehr genauen Uhr in 10.000 Kilometer Höhe geschossen und die Zeit mit einer Synchron laufenden Uhr am Boden verglichen. Schon damals konnte die Rotverschiebung bewiesen werden. Jedoch war dies ein einmaliges Experiment. Durch die beiden Galileo Satelliten, die täglich und präzise ihre Höhe um ca. 8.000 Kilometer ändern, lassen sich Messungen mit noch viel höherer Genauigkeit durchführen. An Bord haben sie Atomuhren mit eine Abweichung von 1 Sekunde in 1 Million Jahren. Das sollte genau genug sein, um Einstein erneut zu bestätigen und vielleicht einige neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Link zur Pressemitteilung:

https://www.zarm.uni-bremen.de/pressmedia/single-view/article/errant-galileo-satellites-will-be-used-for-research-on-einsteins-general-theory-of-relativity.html

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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