Gedankengänge – Stephen Hawking und das informative Nicht-Wissen

Bild: assets

Um auf den eigentlichen Punkt zu kommen, muss ich erst etwas ausholen: Nachdem ich beruflich viel mit dem Auto unterwegs bin und während einer 6- oder 7 Stunden-Fahrt auch die beste Musik irgendwann langweilig und nervig wird, habe ich mir die segensreiche Erfindung von Hörbüchern zu Nutze gemacht. Weil mein Wissensdurst nur schwer zu stillen ist, begnüge ich mich natürlich nicht mit Belletristik oder Romanen, sondern höre mir vorwiegend Sachbücher an. Vor kurzem bin ich auf Stephen Hawkings „Eine kurze Geschichte der Zeit“ gestoßen (mehrmals). Das Genie Hawking versucht in seinen Büchern stets, die überaus komplizierten Sachverhalte der aktuellen Forschung verständlich und für jedermann zugänglich darzulegen. Dass das aufgrund der Komplexität vieler Themen auch einem Großgeist wie Stephen Hawking nicht ganz so leicht fällt, sollte auf der Hand liegen (ein wenig Grundwissen sollte schon vorhanden sein), dennoch klappt das zumindest in meinem Fall einigermaßen gut.

Zum Ende des Buches hin schreibt er einen Absatz, der mich ziemlich nachdenklich stimmt. Er erklärt, dass vor noch nicht allzu langer Zeit das Wissen um den aktuellen Stand der Forschung, nur sehr wenigen Menschen zugänglich war – nämlich den Forschern selbst. Man muss allerdings auch dazu sagen, dass damals wissenschaftlich bei Weitem nicht an so vielen Fronten gekämpft wurde wie heute. In der heutigen Zeit, in der sich jeder Fünfjährige theoretisch alles Wissen der Welt aus dem Internet ziehen kann, sollte man eigentlich meinen, dass jeder Mensch über alles Bescheid wissen müsste – doch so ist es nicht. Zwar haben wir fast uneingeschränkten Zugang zu allen verfügbaren Informationen, doch ist die Masse an Informationen so derart angestiegen, dass ein Mensch alleine diese Fülle niemals aufnehmen könnte. Stephen Hawking schreibt (und bezieht sich dabei lediglich auf Wissenschaftler an sich), dass es keinem Menschen möglich sei, über sein eigenes Forschungsgebiet hinaus alle neuen Entdeckungen und Fortschritte im Blick zu behalten. Ja nicht mal auf seinem eigenen Gebiet könne es möglich sein, sämtliche Neuerungen permanent zu verfolgen.

Wenn wir uns nun vor Augen halten, wie viele theoretische- und praktische Ansätze, Expeditionen, Forschungsprojekte- und Einrichtungen es weltweit für nur ein Forschungsgebiet gibt… Jetzt gibt es aber einige tausend verschiedene, wissenschaftliche Bereiche in denen geforscht wird und auf jedem Gebiet arbeiten tausende und Millionen Wissenschaftler daran, tagtäglich etwas neues zu entdecken… Wie soll man denn da Schritt halten???

Diese Frage habe ich mir oft gestellt. Meiner Meinung nach bleibt uns nur eins übrig: Sich auf das zu beschränken, was einem wichtig erscheint. Für mich ist das wichtigste, wissenschaftliche Thema die Astronomie und ihre Ableger, und zwar aus einem einfachen Grund: Wenn wir das große Ganze betrachten, wird der Menschheit über kurz oder lang nichts anderes übrig bleiben, als die Erde zu verlassen. Dies ist für den Fortbestand der Menschheit essentiell, denn irgendwann werden wir entweder durch eine globale Katastrophe wie einem Meteoriteneinschlag, einem anderen kosmischen Ereignis oder unserer eigenen Dummheit dazu gezwungen sein, unseren Planeten zu verlassen. Sollte keines der erwähnten Ereignisse eintreten, wird uns irgendwann die Sonne dazu zwingen, wenn Sie ihr Leben langsam beendet. Wer, wenn nicht Astronomen und Astrophysiker, können uns dies ermöglichen? Ohne das Wissen, was um uns herum passiert, wie das Universum funktioniert, wohin wir im Zweifelsfall fliehen können und vor allem WIE wir das schaffen sollen, wird eine Umsiedlung der Menschheit kaum möglich sein.

Ich denke das uns, mit wenigen Ausnahmen, keine Wissenschaft auf lange Sicht so nützlich sein wird, wie die Astronomie und die Physik. Die Astronomie, um ein Verständnis des Universums zu erlangen, das uns einen Weg zeigen kann um zu überleben und die Physik, um die Mittel und Wege zu finden, dorthin zu kommen (sehr banal gesprochen).

Wir befinden uns gerade am Anfang dieses Weges und ich kann nur hoffen, das uns das Universum genug Zeit lässt, um unseren Weg in der Zukunft auch zu finden. Sollten wir es, wie oben erwähnt, durch unsere eigene Dummheit nicht schaffen, so hätten wir einen Weg in der Zukunft auch gar nicht verdient.

Gruß, euer Chris

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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Eine Antwort zu Gedankengänge – Stephen Hawking und das informative Nicht-Wissen

  1. astrozwerge schreibt:

    Ich halte eine Wertung / Wichtung der unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen für bedenklich und nicht zielführend. Schon die Vorstellung: die Astronomen hätten genau herausgefunden, wo wir hin müssen, die Ingenieure , Mediziner Biologen Chemiker und so weiter, könnten nicht helfen, wir dorthin gelangen sollen … . Somit ermöglicht nur das Zusammenspiel aller Disziplinen den gewünschten Erfolg.

    Liebe Grüße und schönes Wochenende.

    Gefällt 1 Person

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