Rosettas Komet hat alles gut überstanden

Ihr erinnert euch noch an Rosetta, die Kometensonde? Falls nicht, hier eine kurze Zusammenfassung: Rosetta startete am 02. März 2004 nach mehrmaliger Verzögerung (unter anderem wegen der Explosion einer Rakete) und machte sich auf den Weg zu dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerassimenko. Die Reise dauerte etwas über 10 Jahre und musste durch mehrere Swing-By-Manöver vorangetrieben werden, um den gigantischen Abstand zu überwinden und punktgenau am richtigen Ort anzukommen. Den größten Teil der Reise verbrachte die Sonde im „Winterschlaf“, oder „Deep Space Hibernation“ wie es im Fachjargon heißt. Dieser Winterschlaf dauerte exakt 957 Tage, dann wurde Rosetta etwa 100 km vom Kometen Tschuri entfernt, aufgeweckt.

Zweck dieser Mission war es unter anderem, einen Lander namens „Philae“, den Rosetta im Schlepptau hatte, auf der Kometenoberfläche abzusetzen, um mehr Informationen über die Struktur und die Zusammensetzung des Kometen herauszufinden. Dies ist geglückt (mit einigen Widrigkeiten beim Aufsetzen von Philae). Rosetta und Philae begleiten den Kometen auf seinem Weg durch das innere Sonnensystem und sammeln tausende wertvoller Daten, die derzeit noch ausgewertet werden. Auch beeindruckende Fotografien hat uns die Sonde übermittelt, wie beispielsweise dieses Bild:

Comet 67P on 19 September 2014 NavCam mosaic.jpg

„Comet 67P on 19 September 2014 NavCam mosaic“ von ESA/Rosetta/NAVCAM, CC BY-SA IGO 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0-igo über Wikimedia Commons – wikipedia

Vergangene Nacht nun, hat der Komet Tschuri seinen Sonnennächsten Punkt (das Perihel) erreicht und entfernt sich nun wieder von der Sonne. Seinen nächsten Vorbeiflug werden wir in ca. 6,5 Jahren ebenfalls in einer Entfernung von etwa 1,2 AE (Astronomischen Einheiten) bzw. 185 Millionen Kilometern beobachten können.

Kometen haben die Eigenschaft, dass sie, wenn sie sich der Sonne nähern, durch die steigenden Temperaturen und den Sonnenwind, Masse in Form von Gas und Staub verlieren. Das abgesonderte Material bleibt als der charakteristische Kometenschweif zurück. Auch Tschuri hat in der letzten Zeit einiges eingebüßt. Laut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, verliert der Komet im Moment pro Sekunde etwa 100 kg an Materie. Paolo Ferri, der Bereichsleiter Satellitenbetrieb der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt, sagte zum Spiegel: „Wir erwarten weitere Explosionen und Staubwirbel bis September. Dass dabei Teile des Kometen abbrechen, sei „nicht so wahrscheinlich“, aber auch nicht auszuschließen.“

Einen der größten Gasausströmungen fotografierte Rosetta am 29. Juli:

Am 29. Juli 2015 nahm die OSIRIS-Kamera an Bord der Rosetta-Sonde diesen gewaltigen Jet – ein Gasausbruch, bei dem Kometenmaterial ins All geschleudert wird – aus 186 Kilometern Entfernung auf.
Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team/MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA.

Diese drei Bilder von Komet Churuymov-Gerasimenko nahm die OSIRIS-Kamera an Bord der Rosetta-Sonde am 29. Juli 2015 auf. Im ersten Bild – aufgenommen um 15.06 Uhr mitteleuropäischer Zeit – ist noch kein Gasausbruch zu sehen. 18 Minuten später erfasst die Kamera eine gewaltige Gasausströmung. Um 15.42 Uhr mitteleuropäischer Zeit sieht man nur noch schwache Überreste des Jets. Die Bilder wurden aus 186 Kilometern Entfernung vom Kometen aufgenommen.
Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team/MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA.

Diese Aufnahme der OSIRIS-Kamera zeigt rot markiert die Stelle, an der sich am 29. Juli 2015 ein gewaltiger Gasausbruch auf Komet Churuymov-Gerasimenko ereignete. Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team/MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA.
Leider ist seit einiger Zeit der Kontakt zum Lander Philae abgebrochen bzw. nur noch sporadisch vorhanden. Aus Sicherheitsgründen hält Rosetta allerdings derzeit etwas mehr Abstand zum Kometen als gewöhnlich und auch die Bemühungen, wieder eine Verbindung mit Philae herzustellen, sind erst einmal bis auf weiteres eingestellt. Sobald der Komet seine aktivste Phase hinter sich hat, wird dort weitergemacht, wo man zuletzt aufgehört hat. Nach Meinung der Experten sollte der Lander noch bis zum November über ausreichend Energie verfügen, um seine Daten zu übermitteln. Wir dürfen gespannt sein, was das Gesamt-Fazit nach Abschluss der Mission Rosetta sein wird.
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Über stellariumblog

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