Das Problem mit der Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung? Was soll „Licht“ denn großartig verschmutzen? Und ist das überhaupt ein nennenswertes Problem? Ja, das ist es allerdings. Als Lichtverschmutzung wird die Aufhellung des Nachthimmels durch künstlich erzeugtes Licht bezeichnet, dass in den Schichten der Atmosphäre gestreut wird und so die nächtlichen Lichtglocken über Städten oder Industriegebieten erzeugt. Früher erkannte man am Himmel etwa 2500 Sterne, heute sind es noch 200 – 500. Die Auswirkungen sind vielschichtig und ich möchte an dieser Stelle gerne etwas genauer darauf eingehen.

Ein Beitrag zu dem Fotowettbewerb „The World At Night“. Bild: german.china.org

Ein Problem ist die erhebliche Beeinträchtigung für Astronomen. Gerade in der Nähe von Städten oder generell in Wohngebieten ist durch die Straßenbeleuchtung, Leuchtwerbung, Autoscheinwerfer, Gebäudespots usw. die Sicht auf den Sternenhimmel stark beeinträchtigt, wenn er nicht sogar komplett unsichtbar ist. Beispielsweise hat eine Stadt mit 30.000 Einwohnern, Auswirkung auf einen Radius von 25 Kilometern. Wenn man das jetzt auf eine Millionenstadt hochrechnet, kann man sich gut vorstellen, warum es in den bevölkerten Teilen der Erde kaum mehr Plätze gibt, an denen man einen „wirklich“ klaren Sternenhimmel betrachten kann. Die großen Teleskope stehen aus gutem Grund entweder mitten in der Wüste, auf irgendwelchen staubtrockenen Steppen oder auf Berggipfeln – weil das einfach Orte sind, auf die die Lichtverschmutzung keine – oder zumindest wenig – Auswirkung hat.

Doch die Lichtverschmutzung ist nicht nur für Astronomen ein Problem. Sie hat auch Auswirkungen auf lebende Organismen. Das hört sich jetzt zwar recht weit hergeholt an, doch es sind erwiesene Tatsachen. Studien legen beispielsweise zu Grunde, das durchschnittlich an jeder Straßenlaterne in einer Stadt, pro Nacht etwa 150 Insekten sterben. In deutschen Städten gibt es rund 6,8 Millionen Straßenlaternen, was ein Insektensterben pro Nacht von über 1 Milliarde ausmacht. Und dabei sind Industriebeleuchtungen, Werbeschilder und sonstige Spots noch nicht mit eingerechnet. Ein weiterer Punkt ist das sogenannte „Towerkill-Phänomen„: Zug-und andere Vögel verlieren durch die übermäßige Beleuchtung die Orientierung und fliegen in Gebäude, wobei sie sich verletzen oder Sterben. Zusammengefasst ergibt die Lichtverschmutzung für nachtaktive Tiere eine erhebliche Beeinträchtigung. Viele Tiere und Insekten orientieren sich Nachts an einem, für das menschliche Auge unsichtbaren, polarisierten Lichtmusters am Himmel. Das Ausbleiben dieses Musters durch Lichtglocken hat noch nicht vorauszusehende, evolutionäre Folgen für die Tierwelt. Das ergaben Studien der Freien Universität Berlin und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie.

Doch auch der Mensch leidet unter der grellen Dauerbeleuchtung von Straßen, Gebäuden und Schaufenstern. Denn das künstliche Licht stört den Hormonhaushalt und damit die innere Uhr des Menschen – und sorgt unter anderem für Schlafstörungen. „Licht am Abend verschiebt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und damit den Zeitpunkt von qualitativ gutem Schlaf nach hinten“, sagt Dieter Kunz, Chefarzt der Abteilung für Schlafmedizin am Berliner St.-Hedwig-Krankenhaus. So werde zu Beginn der Nacht das Einschlafen und am Ende der Nacht das Aufwachen erschwert und insgesamt die Zeit des Schlafes verkürzt. Schlaf ist beteiligt an unterschiedlichen Lernprozessen, an der Gedächtnisbildung, der Integrität des Immunsystems und vielem mehr. „Gesundem Schlaf kommt damit eine überragende Bedeutung für die Funktion von Körper und Gehirn zu“, so Kunz. Chronischer Schlafentzug wird mitverantwortlich gemacht für Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit. Auch Lichteinwirkung während des Schlafens schadet dem Organismus, fanden Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland mithilfe von Versuchen an tagaktiven Mäusen heraus. Demnach führten selbst kleine Lichtmengen in der Nacht im Gehirn der Nagetiere zu Veränderungen, die denen depressiver Patienten ähneln.

Die Energieverschwendung sollte auch noch kurz erwähnt werden. Für wen brennen Nachts in irgendwelchen Industriegebieten Scheinwerfer, die nichts anderes tun, als nackte Fassaden zu beleuchten? Straßenlaternen in jedem kleinen Dorf beleuchten die ganze Nacht Straßen, in denen kein Mensch spazieren geht. Der erste Gedanke geht an die Sicherheit. Allerdings gibt es einige Gemeinden, die seit Jahren nachts sämtliche Straßenbeleuchtungen ausschalten. Es wurde nicht im geringsten ein Anstieg von Kriminalität oder ähnlichem verzeichnet, dafür erfreuen sich die Bewohner immer besserer Gesundheit. Was Gemeinden dadurch an Geld einsparen könnten, würde mit keiner Steuererhöhung eingenommen werden.

Wir sehen also, Lichtverschmutzung ist ein Problem auf vielen Ebenen, doch was können wir dagegen tun? Fakt ist, das der Tag/Nacht Wechsel ein Prozess ist, unter dem sich unsere Erde so entwickelt hat, wie wir sie heute kennen. Wir blenden diesen Prozess seit beginn der Industrialisierung mehr und mehr aus. Doch können wir künftig nachts einfach alle Lichter ausschalten? Zum Glück gibt es Menschen, die sich mit diesem Problem ernsthaft auseinander setzen. Zum Beispiel wäre da die Fachgruppe Dark Sky, die in erster Linie Aufklärt und Denkanstöße geben will. Einige Gruppen auf Facebook tun das selbe. Es gibt auch Karten, die den Grad der Lichtverschmutzung gut darstellen.

Ich möchte mit diesem Beitrag in erster Linie auf das Problem hinweisen und versuchen klar zu machen, das es sich hier wirklich um ein Problem handelt, und das man es auch lösen könnte (wenn man den wollte). Vielleicht findet sich ja auch schon bald eine Lösung, mit der alle Beteiligten zufrieden sind und wir evtl. auch mal von München, Frankfurt oder Berlin aus die Milchstraße mit bloßem Auge sehen können.

Wen es interessiert, hier noch einige weiterführende Links:

www.lichtverschmutzung.de

www.astrogalaxie.de/Lichtverschmutzung

www.verlustdernacht.de

gemeinsam gegen Lichtverschmutzung auf Facebook

Schleswig Holstein gegen Lichtverschmutzung

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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