Aliens – ja oder nein?

Ich möchte diesen Beitrag mehreren Themenwünschen widmen, da ich öfter gefragt werde, ob es Leben auf anderen Planeten gibt. Auch bei Google und anderen Suchmaschinen wird diese Frage überraschend häufig gestellt. Eines möchte ich an dieser Stelle gleich vorweg nehmen: Ich glaube definitiv an außerirdisches Leben, so wie viele andere das auch tun, nur muss man unterscheiden, an welche Art von Leben ich glaube. Hierzu ist es wichtig zu wissen, wie man Außerirdisches Leben überhaupt definiert. Im Großen und Ganzen werden damit Lebewesen betitelt, die weder auf der Erde beheimatet, noch dort entstanden sind. Diese „Lebewesen“ können nach unseren Maßstäben von hochkomplex, bis hin zu einfachsten, biologischen Systemen alles sein. Da wären Mikrosphären, Prionen, Viren und Prokaryoten, Pflanzen und tierartige Lebensformen bis hin zu komplexen Wesen wie den Menschen oder auch solche, die diese Komplexität noch übersteigen.

Unsere Milchstraße – sind wir hier wirklich die einzigen denkenden Lebewesen? Bild: thenextweb.com

Laut dieser Definition zählt es also auch zu außerirdischem Leben, wenn in irgendeinem unterirdischen Meer auf irgendeinem Mond, der um irgendeinen Planeten in irgendeinem Sonnensystem im All kreist, auf dem Meeresgrund ein paar Mikroben ihr Dasein fristen. Das ist schon mal etwas, das ich definitiv für möglich halte. Bei komplexerem Leben wird es schwieriger und ich möchte euch gerne einmal aufzeigen, welche Faktoren zusammenspielen müssen, damit Leben nach unseren Vorstellungen entstehen kann:

Wir Menschen gehen davon aus, dass intelligentes Leben auf der Basis von Kohlenstoff aufgebaut sein muss, denn wir können uns nicht vorstellen, wie es sich sonst funktionierend zusammensetzen soll. Es gibt zwar theoretische Ansätze anderer Verbindungen, doch in einem Umfeld wie der Erde ist es kaum denkbar. Bevor sich allerdings aus vielerlei Verbindungen so etwas wie Leben entwickeln kann, müssen vorher noch ganz andere Umstände sichergestellt sein. Zuerst einmal muss sich der potenzielle Planet in der habitablen Zone eines Sonnensystems befinden. Das heißt, er darf nicht zu weit von seinem Zentralgestirn entfernt sein, sonst wäre es zu kalt und der Planet eine Eiswüste, allerdings auch nicht zu nah, sonst wäre es logischerweise zu heiß. Der Stern selbst muss auch gewisse Eigenschaften erfüllen. Er muss eine gewisse Masse haben, muss eine ausreichende Zeit relativ gleichmäßig Energie abgeben und darf auch nicht zu viel Strahlung entsenden. Nun ist es auch noch wichtig, dass das Sonnensystem mehrere Planeten beinhaltet, damit unser Planet ausreichend vor kosmischer Bombardierung geschützt ist. Würden häufig größere Kollisionen stattfinden, hätte der Planet nicht genug Zeit, um komplexes Leben hervor zu bringen, bevor irgendein tonnenschweres Geschoss die ganze Arbeit wieder zu Nichte macht. Das Sonnensystem selbst müsste sich auch wieder in einer ruhigen und strahlungsarmen Umgebung seiner Galaxie befinden und es dürften sich auch keine potenziellen Supernovae oder Neutronensterne in seiner unmittelbaren Nähe. Diese wenigen Fakten lassen die Wahrscheinlichkeit von einer Fülle besiedelter Planeten schonmal etwas sinken. Und das waren nur ein paar Beispiele von vielen…

Aliens suchen schön und gut, doch wie stellen wir das an? Es gibt mehrere Methoden, mit denen wir nach Aliens Ausschau halten können. Eine davon ist die Suche mittels Licht. Wenn man davon ausgeht, das sich auf einem erdähnlichen Planeten auch erdähnliches Leben entwickelt hat, dann kann man daraus schließen, das auch Pflanzen oder pflanzenähnliche Lebensformen entstanden sind, die auch mit Hilfe von Photosynthese Energie erzeugen. Unser Planet beispielsweise reflektiert eine kleine Menge grünen Lichts, das von den Pflanzen stammt. Dieses Licht ist auch über große Entfernungen noch messbar. Wenn man sich jetzt in einem Sternsystem auf die habitable Zone konzentriert und in der empfangenen Strahlung grünes Licht findet, könnte man auf ein Objekt gestoßen sein, das ähnlich wie unser Planet Pflanzen beheimatet.

Ein anderes Modell sucht direkt bei den Sternen nach Hinweisen. Laut der Kardaschow-Skala, die potenziell höher entwickelte Zivilisationen in 3 Kategorien unterteilt, sagt folgendes: Leben, das höher entwickelt ist als unseres, wird irgendwann sämtliche Energie des eigenen Planeten nutzen (wovon wir noch weit entfernt sind). Eine Typ 2-Zivilisation nutzt bereits die volle Energie ihres Muttergestirns und eine Typ 3-Zivilisation könnte die gesamte Energie ihrer Heimatgalaxie nutzen. Es gibt bereits Vorstellungen davon, wie Typ 2 umzusetzen wäre. Man könnte beispielsweise in geringem Abstand um die Sonne herum Kollektoren platzieren, die die Energie der Sonne quasi verlustfrei Speichern und an uns weiterleiten. Doch bis dahin werden noch einige Sommer ins Land ziehen. Wie können wir uns das aber jetzt bei der Alien-Suche zu Nutze machen? Nun, würde es Vorrichtungen wie eine teilweise bzw. vollständige Hülle um einen Stern geben, kann man so etwas durchaus aus großer Entfernung beobachten. Diese Art der Energienutzung wird im Übrigen „Dyson-Sphäre“ genannt.

Künstlerische Darstellung des Baus einer Dyson-Sphäre mit dem Material eines Planeten. Bild: earthsky.org

Kommen wir zur Frage der Intelligenz und des technischen Fortschritts. Wenn eine andere Zivilisation etwa auf dem gleichen, technischen Stand ist wie wir, werden wir sie, oder sie uns, wahrscheinlich niemals finden. Bei einer höher entwickelten Spezies stellen sich drei Fragen. Erstens: würden wir sie überhaupt interessieren, wenn sie von uns wüssten? Um sich so hoch zu entwickeln müssen sie ganz andere gesellschaftliche Maßstäbe haben als wir. Was für einen Nutzen hätten sie also von einer aus ihrer Sicht unterentwickelten, selbstzerstörerischen und unzivilisierten Spezies? Zweitens: ist ein möglicher Kontakt gut für uns? Wenn sie wirklich so hoch entwickelt sind, haben wir dann im Falle eines Angriffs überhaupt eine Chance? Und drittens: würden wir sie überhaupt als intelligentes Leben erkennen?

Das alles sind Fragen, auf die wir keine Antwort finden werden, solange wir nicht wissen, um was für Lebensformen es sich im Detail handelt. Eine wichtige Frage, die oben bereits angesprochen wurde, steht zum Schluss noch im Raum: Wie definieren wir Leben überhaupt? Ist es möglich, das wir „Leben“ in einer Form, die wir nicht kennen, überhaupt nicht als solches identifizieren könnten? Wir kennen nur Kohlenstoffbasierte Lebewesen. Was, wenn sich auch aus anderen Bausteinen Leben entwickeln kann, wie sieht das dann aus? Ist die Frage nach der Intelligenz dieses Lebens überhaupt wichtig, wenn wir evtl. eine völlig falsche Vorstellung davon haben, wie sich Intelligenz bei diesen Wesen überhaupt äußert?

Zu diesem Thema möchte ich noch kurz und kommentarlos auf das „Anthropische Prinzip“ eingehen. Kommentarlos deshalb, weil ich es gerne zum Nachdenken im Raum stehen lassen möchte. Das Prinzip besagt folgendes: Das beobachtbare Universum ist nur deshalb beobachtbar, weil es alle Eigenschaften hat, die dem Beobachter ein Leben ermöglichen. Wäre es nicht für die Entwicklung bewusstseinsfähigen Lebens geeignet, so wäre auch niemand da, der es beschreiben könnte.

Um auf die Grundfrage zurück zu kommen: Ja, ich glaube an außerirdisches Leben, in welcher Form auch immer. Sei es der Wahrscheinlichkeitsrechnung geschuldet, oder einfach dem Umstand des menschlichen Geistes, es sich schlicht nicht vorstellen zu können, dass wir Menschen in diesem unglaublich großen Universum mutterseelenalleine durch das Vakuum kriechen und niemand da ist, der uns eines Tages über die letzten Geheimnisse des Weltalls aufklären kann…

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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