Umgeben von Planetenkillern? Oder doch nicht? (3)

Im dritten Teil der Serie möchte ich auf das Thema Asteroiden und Kometen eingehen. Wie wir wissen, ist die Erde in der Vergangenheit bereits mehrfach von größeren Asteroiden getroffen worden. Der bekannteste Einschlag in der Geschichte fand vor etwa 66 Millionen Jahren vor der mexikanischen Halbinsel Yucatàn statt. Neueste Erkenntnisse bestätigen erneut den Grund für das Aussterben der Dinosaurier durch besagten Asteroideneinschlag.

Werden wir von einem Riesen-Asteroiden ausradiert?

Das Objekt von Yukatan war Experten zufolge etwa 10 Kilometer groß. Statistisch gesehen treffen uns Objekte dieser Größe etwa alle 15 – 60 Millionen Jahre, wobei sich Asteroiden mit einer Größe von um die 30 Meter, alle 200 Jahre in Erdnähe verirren. Was Gesteinsbrocken dieser Größenordnung anrichten können, bewies uns erst vor Kurzem der Meteor, der über der Stadt Tscheljabinsk im russischen Ural, mehr oder weniger explodiert ist.

TscheljabinskAmateuraufnahme des Meteors über Tscheljabinsk. Foto: Public Domain

Das Problem bei dem Meteor von Tscheljabinsk war, dass er, trotz seiner Größe und dem direkten Kollisionskurs,

Die Folgen eines Einschlags hängen von der Größe, genauer von der Masse des Asteroiden und seiner Geschwindigkeit ab. Ein Beispiel: Ein Asteroid mit 350 Meter Durchmesser hinterlässt einen Krater von 6 Kilometer Durchmesser und verwüstet ein Gebiet doppelt so groß wie das Saarland. Seine Sprengkraft beträgt zwischen einer und zehn Gigatonnen TNT, was 77.000 Hiroshima-Bomben entspricht! Schlägt der Himmelskörper im Meer ein, muss mit gewaltigen Überschwemmungen gerechnet werden. Ist der Asteroid fünfmal so groß, also 1,75 Kilometer im Durchmesser, droht eine Katastrophe globalen Ausmaßes: Eine Fläche von der Größe Frankreichs würde direkt zerstört. Durch den hochgeschleuderten Staub kommt es zu weltweiten Klimaveränderungen und einer globalen Zerstörung der Ozonschicht. Man kann sich leicht vorstellen, dass ein 10 Kilometer großer Brocken zu einem Massensterben führen würde, wie es ja bereits passiert ist.

Asteroiden und ihresgleichen sind bereits so alt wie das Sonnensystem selbst. Jene, die für uns potenziell am gefährlichsten werden könnten, sind die sogenannten „Erdnahen Asteroiden“, deren Bahnen innerhalb der des Mars verlaufen. Der Typ der Erdbahnkreuzer sind diese, die auf ihrer Bahn potenziell die der Erde kreuzen. Wir haben in unserem Sonnensystem zwar mehrere Bereiche, in denen Asteroiden, Kometen, Zwergplaneten, Plutoiden usw. ihre Bahnen ziehen, doch die Gefahr ist bei den Erdnahen Objekten am höchsten.

Nun haben wir Quantensprünge in der Technik gemacht, können bis in die tiefsten Tiefen des Universums blicken, und uns trotzdem nicht vor einem Asteroideneinschlag schützen? Doch das können wir schon – zumindest teilweise. Es gibt verschiedene Projekte, wie zum Beispiel „Spacewatch„, ein Projekt an der University of Arizona, das auf die Beobachtung von Kleinplaneten, Asteroiden und Kometen spezialisiert ist. Sie berechnen unter anderem auch die Bahnen der Erdnahen Objekte, um rechtzeitig vorgewarnt zu sein, sollte einer von ihnen seine Bahn mit der der Erde kreuzen. Mit dieser Aufgabe beschäftigen sich unter anderen auch Projekte wie NEAT (near earth asteroid tracking), LINEAR (Lincoln Near Earth Asteroid Research), LONEOS (Akronym für Lowell Observatory), CSS (Catalina Sky Survey) und CINEOS (Campo Imperatore Near-Earth Object Survey).

Doch trotz all dieser Bemühungen konnte der Meteor von Tscheljabinsk trotz seiner Größe und dem direkten Kollisionskurs aus einem einzigen Grund nicht rechtzeitig bemerkt werden… er kam direkt aus Richtung der Sonne auf uns zu. Wir können den ganzen Himmel im Auge behalten, doch sobald sich ein Objekt im Schein der Sonne verbirgt, sind wir größtenteils machtlos.

Abgesehen davon gibt es natürlich trotzdem Überlegungen, wie wir uns, im Falle einer nahenden Katastrophe, ausreichend schützen können. Zukünftige Abwehrstrategien umfassen land-, see- und luftgestützte Waffensysteme, Weltraumwaffen, Energiewaffen und Railguns, aber auch bemannte und unbemannte Raumfahrtmissionen, ganz nach den Vorbildern aus „Armageddon“ und „Deep Impact“. Fakt ist allerdings, dass wir im Augenblick technisch nicht in der Lage wären, kurzfristig und effektiv auf einen 10 Kilometer-Asteroiden reagieren zu können. Im Film „Deep Impact“ wird ein herannahender Asteroid mit Nuklearraketen beschossen. Dieses Vorhaben misslang, da das Objekt lediglich in 2 Teile zerbrach, seine Bahn aber nicht änderte. NASA-Experten bestätigen, dass es in der Realität nicht sonderlich anders aussehen würde. Es gibt bessere Ideen, die aber auf den ersten Blick etwas abenteuerlich erscheinen: Man könnte einen Asteroiden beispielsweise „einfach“ mit weißer Farbe überziehen. Er reflektiert dann das Sonnenlicht besser und erfährt dadurch einen Strahlungsdruck, der ihn von seinem Kollisionskurs mit der Erde ablenkt. Das klingt recht witzig, ist aber ein ernstgemeintes Szenario von ernst zu nehmenden Wissenschaftlern, die das wieder und wieder durchgerechnet haben.

Asteroidenabwehr Eine hypothetische Maßnahme, die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ausgearbeitet
wurde. Bild: DLR

Den gleichen Effekt könnte das gebündelte Licht riesiger Parabolspiegel haben, die in die Nähe gefährlicher Asteroiden geflogen und punktgenau ausgerichtet werden müssten. Eine weitere Idee ist, ein Ionentriebwerk am Asteroiden zu befestigen. Sein geringer aber über lange Zeit wirksamer Rückstoß sollte ebenfalls den Orbit des Felsbrockens im All ein ganz klein wenig verändern, zumindest so viel, um eine Kollision mit der Erde zu vermeiden.

Doch wie gesagt, Tatsache ist, dass wir zur Zeit über keine Technologie verfügen, mit der auch nur eine dieser Abwehrmaßnahmen in kurzer Zeit realisierbar wäre. Um auf das Grundthema zurückzukommen: Ein Asteroideneinschlag ist das realistischste Szenario, dass uns ernsthafte Probleme bereiten kann. Es könnte jederzeit ein Himmelskörper entdeckt werden, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet. Allerdings sollten größere Asteroiden trotzdem rechtzeitig entdeckt werden, und es ist ja bekannt, dass der Mensch in seiner größten Not zu den größten Taten fähig ist. Zumindest hoffe ich das…

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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