Umgeben von Planetenkillern? Oder doch nicht? (2)

Wie im ersten Teil bereits erklärt, beschäftigt sich diese Serie mit den möglichen Gefahren durch die bekanntesten „Planetenkiller“. Im 2. Teil widmen wir uns der Möglichkeit, von einer Supernova bzw. einer Hypernova vernichtet zu werden.

Werden wir durch eine Supernova gegrillt?

Wir wissen mittlerweile, dass unsere Sonne nie zu einer Supernova werden kann, weil ihr dazu die nötige Masse fehlt. Fakt ist, bei einer Supernova wird in kurzer Zeit mehr Energie freigesetzt, als unsere Sonne in ihrem ganzen, bisherigen Leben erzeugt hat. Supernovae können auf zwei Arten entstehen:

1. Sterne, die mehr als die 8-Fache Masse unserer Sonne besitzen, kollabieren, wenn ihnen der Brennstoff ausgeht. Dabei stürzt die gesamte Masse des Sterns in sich zusammen, wobei der Kern sich immer mehr verdichtet. Irgendwann ist ein kritischer Punkt erreicht und der größte Teil der Materie wird in einer gigantischen Explosion abgestoßen. Bei diesem Vorgang wird eine gewaltige Menge Energie in sehr kurzer Zeit freigesetzt. Übrig bleibt dann der stark komprimierte Kern, der sich entweder als Neutronenstern, oder aber als Schwarzes Loch darstellt. Dieser Kollaps wird als hydrodynamische Supernova bezeichnet.

2. Sterne mit geringer Masse, die im Stadium eines Weißen Zwergs sind, sich allerdings in Mehrfach-Sternensystemen befinden, laden sich durch Eigengravitation die Masse eines Nachbarsterns auf. Dadurch entsteht ein sogenanntes Kohlenstoffbrennen dass der Kern des Sterns ab einem bestimmten Punkt nicht mehr verträgt und explodiert. Dieses Phänomen wird als thermonukleare Supernova oder Supernova vom Typ 1a bezeichnet. Diese Supernovae werden unter anderen von Astronomen genutzt, um kosmische Entfernungen zu messen, da die scheinbare Helligkeit, die von einer Supernova vom Typ 1a ausgeht, immer gleich ist. Das liegt daran, dass die kritische Masse, die erreicht werden muss, damit der Weiße Zwerg zu einer Supernova wird, immer exakt die selbe ist – anders als bei der hydrodynamischen Supernova, die von ihrer Grundmasse her unterschiedlich sein kann, je nachdem, wie viel Masse der Stern ursprünglich besessen hat. Kosmische Objekte wie diese, werden in der Astronomie auch als Standardkerzen bezeichnet.

Der Kassiopeia A Nebel

Die Reste einer Supernova. In diesem Falle der Kassiopeia A Nebel. Bild: NASA/CXC/SAO

Wir wissen, dass nur ein paar Sterne in unserer kosmischen Nachbarschaft kurz davor sind, zu einer Supernova zu werden. Nach allgemeiner Meinung müsste eine Supernova deutlich unter 100 Lichtjahren Entfernung zur Erde auftreten, um ihr merklichen Schaden zuzufügen. Das Problem dabei ist weniger die Explosion selbst, sondern die dabei frei werdende Gammastrahlung. Unsere Atmosphäre lässt sie zwar nicht durch, doch trifft diese Strahlung in ausreichender Menge auf die Erde, kann sie in den oberen Atmosphärenschichten beispielsweise Stickstoff in Stickoxide umwandeln. Wenn das passiert, reagieren die Stickoxide mit der Ozonschicht und diese löst sich auf, so dass kosmische Strahlung aller Art direkt auf die Erdoberfläche gelangt.

Das Problem mit der Gammastrahlung ist bei einer anderen Art der Supernovae noch erheblich größer, nämlich bei den Hypernovae. Bei der großen Schwester der Supernova handelt es sich um die größten Explosionen im All, bei denen an zwei Seiten des Sterns sogenannte „GRB`s“ (Gamma-Ray-Bursts, deutsch: Gammastrahlenausbrüche) austreten, die eine große Menge Gammastrahlung konzentriert in zwei Richtungen abstrahlen. Damit ein Stern zu einer Hypernova wird, muss er allerdings mindestens die 100-Fache Masse unserer Sonne haben, was bei Sternen in unserer unmittelbaren Nähe nicht der Fall ist.

Jetzt aber zu der guten Nachricht. Dadurch, dass die Strahlenausbrüche extrem gebündelt in nur zwei Richtungen ausgehen, muss uns so ein Strahl schon ziemlich genau treffen. Beim bekanntesten Kandidat einer bevorstehenden Hypernova, Eta Carinae, ist die Ausrichtung des Sterns so, dass im Falle einer Explosion die Strahlenausbrüche nicht in unsere Richtung zeigen würden. Darüber hinaus ist Eta Carinae zwischen 7000 und 10000 Lichtjahre entfernt. In der Milchstraße passieren statistisch gesehen etwa 20 Supernovae alle 10000 Jahre. Astronomisch gesehen nicht viel, aber aus unserer Sicht eine ganz schön lange Zeit. Die Chancen stehen also sehr gering, das in ausreichender Nähe zur Erde in nächster Zeit eine Super- oder Hypernova stattfinden wird.

Wir sehen also, dass auch die Möglichkeit, von einer Sternenexplosion ausgelöscht zu werden, entsprechend gering ist. Das ganze klingt zwar recht gefährlich und tödlich, doch das Leben auf unserem Planeten ist in absehbarer Zeit erstmal relativ sicher vor Super -bzw. Hypernovae.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
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