Wissen aus dem Netz, RTL und Google

Mein Interesse für Sterne und alles, was sich über unseren Köpfen befindet, hatte ich schon in meiner frühester Kindheit entdeckt. Und nicht nur der Weltraum, andere Planeten und unsere Milchstraße haben mich fasziniert, sondern auch die Physik des Alltags. Wieso wird in der Mikrowelle in einer Minute das Essen warm, während es im Topf 10 Minuten braucht? Wieso stehen mir die Haare zu Berge wenn ich einen Luftballon an meinem Kopf reibe? Wieso hüpft ein Stein auf dem Wasser wenn ich ihn flippe, anstatt unter zu gehen? Wieso kleben Magnete aneinander, obwohl kein Klebstoff im Spiel ist? Das alles sind Fragen, die jedes Kind irgendwann seinen Eltern stellt (natürlich in etwas anderer Ausdrucksweise).

Ich hatte Glück, dass mein Vater damals selbst sehr Interessiert an diesen Themen war und mir viele Fragen für mein Alter schlüssig erklären konnte. Für die Dinge, die er sich selbst nicht erklären konnte, gab es, meinem Alter entsprechend, die wundervolle Bücherserie „Was ist was?“, die mir Berge an Wissen bescherten. Damals wurden gerade die ersten Personal Computer von der breiten Masse benutzt, googeln war also noch nicht drin. Falls ihr jetzt denkt: „Oh Mann, da quatscht er jetzt von Zeiten, die ein halbes Jahrhundert zurückliegen…“ Doch so lange ist das noch gar nicht her. Vor 20 Jahren, ich war gerade 10, hatten wir weder Handys, noch Laptops oder Tablets, kein Digitalradio und keine On-Demand Filme. Vor allem aber hatten wir noch kein Internet. Ich bin glücklich darüber, genau zur richtigen Zeit geboren worden zu sein, um beobachten zu können, wie die Informations- und die Kommunikationstechnik alles verändert haben – und das innerhalb von nur wenigen Jahren.

internet
Vernetzte Welt. Foto: fluentfocus.com

Mit 14 bekam ich mein erstes Handy. Es war klobig, schwer, hatte nicht mal eine Beleuchtung und SMS gab es auch noch nicht (zumindest nicht für Normal-Sterbliche). Jetzt, 16 Jahre später, habe ich immer noch ein Handy, nur das ich jetzt damit Überweisungen tätige, per Sprach- und Gestensteuerung Kurzmitteilungen versende bzw. gleich ein Videotelefonat führe, die Kinokarten für heute Abend bestelle und diese gleich per W-Lan ausdrucke und mir nebenbei noch die neuesten Schlagzeilen aus aller Welt in meinem News-Feed ansehe. Natürlich, der Mensch ist durch die ganzen Fortschritte immer gläserner geworden und wer nicht aufpasst bzw. wer es nicht weiß, der gibt ziemlich schnell alles von sich preis. Die Cyber-Kriminalität ist allgegenwärtig und keiner kann sich sicher sein, dass er nicht ständig über seine Webcam oder seine Handykamera von irgendwelchen Geheimdiensten, Hackern oder Perversen beobachtet wird. Doch dabei wird schnell vergessen, was für ein positives Potential das Internet eigentlich hat. Es ist ein Füllhorn an Informationen, in dem beinahe das gesamte Wissen der Menschheit gespeichert und für jeden jederzeit abrufbar ist. Wenn ich wissen möchte, wie das Wetter nächste Woche in Toronto wird, frage ich das Internet. Wenn ich wissen möchte, wie ich Differentialgleichungen lösen kann, frage ich das Internet und wenn ich wissen möchte, warum Meerwasser salzig ist, frage ich auch das Internet. Früher musste ich in die Bibliothek gehen, den Bibliothekar fragen, in welchen Regalen ich suchen soll und dann wurden Stundenlang Bücher gewälzt, bis ich schließlich annähernd die richtige Antwort gefunden habe. Heute nehme ich mein Handy zur Hand, sage „Ok Google, wieso ist das Meerwasser salzig?“ und mein Handy hält mir einen nahezu Professoren-würdigen Vortrag über die mineralische Zusammensetzung der Weltmeere.

Nur, wie nutzt man das Internet wirklich effektiv als Wissensquelle? Hier gilt das steinalte Prinzip: „Stelle die richtigen Fragen und du erhältst die richtigen Antworten“. Wer in einer Suchmaschine (egal welcher) eingibt: „radioaktiv“, der erhält Links zu Radiosendern, Fahrradherstellern und vielleicht höchstens einen Wikipedia-Eintrag. Wer allerdings eingibt: „welche Eigenschaften haben radioaktive Strahlen?“, der wird direkt mit wissenschaftlichen Fachaufsätzen, seriösen Wissenschaftsmagazinen und Einträgen in Online-Lexika`s gefüttert. Prinzipiell ist es nicht schwer, Antworten auf seine Fragen aus dem Netz zu bekommen, nur leider sind wir mittlerweile so verwöhnt von Google und Co, dass wir uns einfach auf die erstbesten Ergebnisse stürzen – das Prinzip von RTL und der Bildzeitung ist zurückgekehrt. Ohne all zu große Vorurteile vor RTL kund zu tun, doch wer sich ausschließlich, einmal am Tag über die RTL-Nachrichten auf dem Laufenden hält, hat keine Ahnung, was in der Welt vor sich geht – und das bestätigt sich mir leider ständig… Doch ich schweife ab. Wenn ich mich für eine bestimmte Sache interessiere, muss ich auch im Internet erst ein wenig suchen. Ein Beispiel: Ich interessiere mich für den aktuellen Stand der Forschung, welche sich mit unserem Sonnensystem auseinandersetzt. Anstatt blindlings „Sonnensystem“ bei Google einzugeben und sich danach stundenlang auf irgendwelchen Internetseiten herumzuquälen, gebe ich „Sonnensystemforschung Deutschland“ ein, denn ich möchte erst mal auf eine deutschsprachige Website. Die Suchmaschine spuckt mir sofort auf der ersten Seite 10 Links zu „Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung“ aus. Nach kurzem Abgleich stellt sich heraus, dass die Homepage des Max-Planck-Instituts http://www.mps.mpg.de lautet. Gehe ich auf die Seite, habe ich oben einige Reiter, darunter auch „Forschung“. Nun gliedert sich diese Sparte in verschiedene Spezialgebiete auf und ich komme nach ein wenig klicken auf die aktuellsten Erkenntnisse und Meldungen aus dem Gebiet der Sonnensystemforschung.

Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich die Menschen dazu animieren möchte, dass Internet hin und wieder auch dafür zu nutzen, für was es eigentlich da ist. Natürlich ist das Internet in erster Linie ein Kommunikationsmedium, doch wieso das Wissen, wenn es schon kostenlos auf der Straße liegt, nicht aufheben und mitnehmen? Jeder, der meinen Blog liest, interessiert sich für Astronomie, Physik und dergleichen. Wieso also nicht mal selbst auf die Suche nach den Themen gehen, die einen gerade interessieren? Wir leben in einer Welt (zumindest kann ich für uns und viele andere Länder sprechen) und vor allem in einer Zeit, in der Wissenschaft keine Sünde ist und in der es nicht verpönt ist, zu hinterfragen. Jeder kann alles wissen, was er wissen möchte, ohne Angst haben zu müssen, dass er auf dem Scheiterhaufen endet. Durch die heutige Technologie könnte man fast von der Möglichkeit eines kollektiven Bewusstseins sprechen, da jeder alles mit jedem anderen Menschen auf der Welt teilen kann.

meinung bilden
Sehr passender Spruch. Foto: funcloud

Umso weniger verstehe ich das beharrliche Desinteresse vieler Menschen an den Dingen um uns herum. Damit meine ich nicht Astronomie oder ähnliches, sondern ganz alltägliche Dinge, die auf der Welt passieren. Wenn ich manche Arbeitskollegen nach ihrer Meinung zum Referendum Griechenlands frage, dann ernte ich fragende Blicke und den Kommentar: „Was ist mit den Griechen? Ich habe da vor 5 Jahren Urlaub gemacht, war echt toll.“ Jeder von uns hat mittlerweile ein Smartphone, jeder einen PC, Laptop oder ein Tablet, jeder weiß, wie das Internet zu bedienen und jeder ist „Vernetzt“. Wieso also wird dieses tolle Medium fast ausschließlich für Facebook, Browser- und Onlinegames, Pornos und Werbung genutzt? (Nicht das ich was gegen Online-Games hätte ;-), doch ich wünsche mir, dass die Menschen dieses selbstgemachte Geschenk ein wenig mehr dazu nutzen, um ihren Horizont zu erweitern, sich Antworten auf Fragen suchen und ihr Wissen auch mit anderen Teilen, um der Volksverdummung von BILD, RTL und noch vielen gleichgesinnten entgegenzuwirken und sich wirklich seine eigene Meinung bilden zu können.

In diesem Sinne entschuldige ich mich für den viel zu langen Text, danke an alle, die ihn bis hierher gelesen haben und vielleicht denkt ihr ja mal kurz darüber nach. Vielleicht liege ich ja auch falsch mit meinen Ansichten. Ich freue mich auf eure Kommentare, in denen ihr mir euren Standpunkt darlegt und bitte auch kritisch mit mir seid 🙂 Danke.

Über stellariumblog

Stellariumblog ist ein Info-und Newslog. Ich versuche, die oftmals komplizierte und unübersichtliche Fülle an Informationen und Wissen verständlich zu erklären. Mein Ziel ist es, mit diesem Blog so viele Menschen wie möglich von der Astronomie zu begeistern. Natürlich versuche ich, täglich die wichtigsten News aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und vergleichbaren Wissenschaften zu bloggen, ich bin allerdings Berufstätig und habe leider nicht jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit – seid also bitte etwas nachsichtig falls ich nicht immer alles als erster poste ;) Ich freue mich immer über positive Bewertungen, aber auch über konstruktive Kritik sowie Vorschläge und/oder Hinweise auf mögliche Fehler (ich bin auch nur ein Mensch). Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß in meinem Blog.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s