Neue Supernova in M82 im Visier

Es war ein Zufallsfund, von dem viele Astronomen träumen: Vier Studenten des University College London entdeckten am vergangenen Dienstag bei einem Übungsabend an der Sternwarte der Universität eine Supernova in der Galaxie Messier 82 (M82). Da sich die Beobachtungsbedingungen immer weiter verschlechterten, hatte Dr. Steve Fossey, der Leiter der Gruppe, auf das eigentlich vorgesehene Ausbildungsprogramm verzichtet und wollte seinen Studenten nur schnell noch die Verwendung der CCD-Kamera an einem der Teleskope demonstrieren.

Supernova 1
Animierte Aufnahme von Swift, die die Galaxie M82 vor und nach der Supernova zeigt. SN 2014J ist als Lichtpunkt rechts des Zentrums von M82 zu sehen. Bild: NASA / Swift / P. Brown, TAMU

Als Beobachtungsobjekt wählten die Studenten die Galaxie M82 – unter anderem weil diese sich noch in einem relativ wolkenlosen Bereich des Himmels befand. Bei der Einstellung des Teleskops fiel Fossey ein Stern bei M82 auf, den er zuvor dort noch nicht gesehen hatte. Eine Überprüfung von Archivbildern bestätigte den Befund, so dass die Studenten und ihr Lehrer noch schnell einige weitere Aufnahmen machten bevor sich der Himmel ganz zuzog. Es gelang ihnen sogar noch kurz Beobachtungen mit einem zweiten Teleskop durchzuführen, so dass ausgeschlossen werden konnte, dass es sich bei dem sternenähnlichen Objekt in M82 um einen Instrumentenfehler handelte.

Bald stellte sich heraus, dass die vier Studenten und ihr akademischer Lehrer eine Supernova-Explosion in der rund 12 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie entdeckt hatten. Sie hat inzwischen die Bezeichnung SN 2014J erhalten. „Erst haben wir noch Pizza gegessen und fünf Minuten später dabei geholfen eine Supernova zu entdecken“, so Tom Wright, einer der Studenten. „Ich konnte es nicht glauben. Das hat mich daran erinnert, warum ich einmal begonnen hatte, mich für Astronomie zu interessieren.“

Inzwischen wurde die Supernova von weiteren Teleskopen ins Visier genommen. Auch Beobachtungen mit den großen Weltraumteleskopen sind geplant. Am schnellsten ist es aber dem NASA-Satelliten Swift gelungen, SN 2014J in Augenschein zu nehmen: Bereits einen Tag nach der Entdeckung machte Swift Beobachtungen von M82 mithilfe des Ultraviolett/Optical Telescope (UVOT) an Bord. Die Supernova war offenbar schon Tage vor der Entdeckung durch die Studentengruppe zu sehen gewesen, aber von niemandem bemerkt worden.

SN 2014J zählt mit zu den nächstgelegensten Supernova-Explosionen der vergangenen Jahrzehnte. Nur die Supernova SN 1987A in der Großen Magellanschen Wolke, die im Jahr 1987 aufleuchtete, war uns deutlich näher. Eine Supernova in Messier 81, die im Jahr 1993 entdeckt wurde, ereignete sich ähnlich weit entfernt wie SN 2014J. Man geht inzwischen davon aus, dass es sich bei der Supernova in M82 um eine Supernova vom Typ Ia handelt. SN 2014J wäre damit die nächstgelegene Supernova dieses Typs seit langem.

Supernova vom Typ Ia entstehen durch die Explosion eines Weißen Zwergsterns und spielen in der Astronomie eine wichtige Rolle als Entfernungsindikatoren: Da man glaubt, die maximale Helligkeit dieser Supernovae gut abschätzen zu können, lässt sich aus der beobachteten Helligkeit auf die Entfernung der Objekte schließen. Dies gelingt auch noch in weit entfernten Galaxien. Die Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums basiert auf Entfernungsmessungen auf Grundlage solcher Supernova-Explosionen.

Von daher ist eine relativ nahegelegene Supernova dieses Typs für die Astronomen natürlich eine willkommene Gelegenheit, um diese wichtigen Explosionen weiter zu untersuchen. Messier 82 liegt im Sternbild Großer Bär und ist ein beliebtes Ziel für Amateurastronomen. Mit einem guten Amateurteleskop sollte die Supernova schon jetzt zu sehen sein. Die Astronomen vermuten sogar, dass sie in den kommenden Tage noch heller wird – eventuell sogar so hell, dass sie auch mit einem guten Fernglas zu erkennen ist.

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